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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 2 Frühe Ethnographen (1880 - 1940)
 up 2.3 Martin Gusinde

2.3.3 Eine Stimme gegen Ausbeutung und Ausrottung

Unterwegs in Feuerland

Martin Gusinde beginnt sein Buch über die Selk`nam mit einer Anklage gegen die Verletzung von Menschenrechten. Er erörtert die Geschichte des Kolonialismus in Feuerland und richtet sich scharf gegen Ethnozid und Genozid. In diesem Sinne steht er gewissermaßen in der Tradition von Bartolomé de Las Casas, der während der frühen Kolonialzeit die Massaker an der indianischen Bevölkerung anklagte. Er bezieht Stellung gegen staatliche Institutionen, Farmer, Minenbesitzer und Pelztierjäger, denen er eine zum guten Teil systematische Vernichtung der indianischen Gemeinschaften zur Last legt und setzt sich für die Rechte der indigenen Gruppen ein.

Gusinde ist bei seinen Feldforschungen Zeitzeuge eines der größten Völkermorde in der neueren Geschichte Lateinamerikas - nämlich der „Indianerkriege" und der Vernichtung verschiedener ethnischer Gruppen in Argentinien und Chile zwischen Ende des 19. und Beginn des 20. Jh., die auch von anderen AutorInnen behandelt und kritisiert wurden (vgl. Papp 2001 zu den Tehuelche in Patagonien).

Gusindes Ethnographien stellen in vielen Fällen die erste und letzte wissenschaftliche Dokumentation von indianischer Kultur und Gesellschaft in Feuerland dar.

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