Zur Zeit der wissenschaftlichen Tätigkeit von Konrad Theodor Preuß war auch die Animismus-Theorie von Eduard Tylor aktuell, die seine Arbeiten wesentlich beeinflusste. Sie besagt, dass der Ursprung der Religion in der Vorstellung von der allgemeinen Beseeltheit der Welt liege, die vom „primitiven Menschen" im Traum erfahren wird.
Viele Arbeiten von Preuß zielen darauf ab, diese Theorie zu widerlegen: Er vertritt den sogenannten „Prä-Animismus" und ist der Ansicht, dass das Konzept des Zaubers, das Wirken einer unpersönlichen spirituellen Macht, unabhängig vom Animismus existiere und auch entwicklungsgeschichtlich älter sei als jener.
Während die Frage nach den verschiedenen Stadien der Entwicklung von religiösen Konzepten heute nicht mehr relevant ist, leisten die Arbeiten von Preuß über verschiedene Ausdrucksformen von spiritueller Macht, Mythos und Magie einen wesentlichen Beitrag zur Ethnographie und zur Analyse von Weltbild, Religion und Ritual in indianischen Kulturen. |