Die "wahrhafte Historie" ist eine ausgezeichnete Quelle zu den ökonomischen, politischen und kulturellen Prozessen an einer frühen "Kolonisationsfront" (colonial frontier), an der es noch keine eindeutigen Herrschaftsverhältnisse gab. Sie zeigt die komplexen Interaktionen zwischen europäischen und indianischen Akteuren und zeichnet ein differenziertes Bild der verschiedenen Akteure, Interessen, Konzepte und Handlungsweisen.
Auf der Seite der Europäer, der Kolonisatoren, findet man ein buntes Konglomerat unterschiedlicher Interessengruppen: Als politische Institutionen treten in erster Linie die Staaten Frankreich und Portugal in Erscheinung, die sich als Konkurrenten um Land und Ressourcen in Brasilien feindlich gegenüberstehen und sich bekämpfen. In ihrem Gefolge befinden sich Handelstreibende und Dienstleute verschiedener europäischer Nationalitäten sowie Leibeigene und Sklaven europäischer und indianischer Herkunft.
Frankreich und Portugal sind mit verschiedenen indianischen Gruppen verbündet, die wiederum untereinander verfeindet sind. So liegen die europäischen Siedlungen jeweils in den Territorien der befreundeten Indianer, sind aber auch ständig den Angriffen der feindlichen Indianer, den Verbündeten der Konkurrenz, ausgesetzt. So entsteht ein komplexes Geflecht von Allianzen, Handelsbeziehungen und Feindschaften. Die Konfrontationslinien verlaufen dabei nicht zwischen Indianern und "Weißen", sondern entlang verschlungener Linien von lokalen interethnischen Beziehungen, europäischen internationalen Konflikten und ökonomischen und politischen Interessen auf allen Seiten (vergleichbar mit der Dynamik zwischen Franzosen, Engländern und Indianern im Osten Nordamerikas im 17. und 18. Jahrhundert). |