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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 1 Chronisten und Missionare
 up 1.6 "Heilige Experimente" und Ethnographie: Die österreichischen Jesuiten in Lateinamerika
 up 1.6.3 Die Mojos - Missionen in Bolivien

1.6.3.2 El Dorado in den Llanos de Mojos

Bettdecke der Mojos, Bolivien

In Peru waren Legenden vom Reichtum der „Könige des Gran Moxo" oder Gran Paititi weit verbreitet und wurden mit den Geschichten vom „El Dorado" assoziiert - einem König, der in einer goldenen Stadt lebt und der seinen Körper täglich mit Goldstaub bedeckt, den er jeden Abend in einem See wieder abwäscht. Diese Mythe kursierte im 16. Jahrhundert in ganz Südamerika und bildete u.a. einen wichtigen Anreiz für Expeditionen in das Amazonasgebiet. Sie weckte auch das Interesse der Spanier an den Llanos de Mojos. Der Jesuitenpater José de Acosta berichtet im Jahr 1590 aus Lima:

Ja, man weiß nichts über den größten Teil von Amerika, der zwischen Peru und Brasilien liegt; obwohl seine Grenzen bekannt sind, gibt es viele verschiedene Ansichten; einige sagen, es sei untergegangenes Land, voll von Seen und Wasser; andere behaupten, es gibt dort große, blühende Königreiche, und stellen sich vor, dort sei Paititi, der Dorado und die Cäsaren, und es gäbe dort herrliche Dinge. Ich habe einen von unserer Gesellschaft - einen vertrauenswürdigen Mann - sagen hören, dass er dort große Städte gesehen habe, und die Straßen waren so gut wie zwischen Salamanca und Valladolid..." (Acosta 1590 in Mader 1989:29)

Ende des 16. Jahrhunderts werden aus Peru mehrere Eroberungsfeldzüge in die Mojos-Region unternommen, an diesen militärischen Expeditionen waren auch immer wieder Mitglieder der Gesellschaft Jesu beteiligt. Die „großen, blühenden Königreiche" gab es zwar nicht (mehr), aber die Jesuiten berichten über ein komplexes Netzwerk an Transportwegen - eine Kombination von Kanälen, Dammstraßen und Brücken - das zu allen Jahreszeiten gute Verkehrsverbindungen zwischen den Siedlungen der Region garantierte. Dieses Verkehrsnetz wurde zu Zeit der Reduktionen weiter benützt und stellte die Basis für die Erschließung der Missionsprovinz Mojos dar.

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