Einer der ersten Berichte über die Verwendung von psychoaktiven Substanzen stammt von Kolumbus: In seinem Bericht von der zweiten Reise (1493-1496) beschreibt er kurz die lokale Religion der Taino auf Hispanola (Haiti) den sogenannten "Cemiskult" und erwähnt ein psychoaktives Schnupfmittel, das im Ritual verwendet wird. Er erwähnt einen Schrein, der eine Götterstatue beherbergt:
"In diesem Haus haben sie ein fein gearbeitetes Tablett, so groß wie ein Thalerstück. Darin bewahren sie ein weißes Pulver auf, das bei bestimmten Zeremonien auf das Haupt der Cemis-Statue gebreitet wird. Dann ziehen sie dieses Pulver mit einem Rohr das zwei Zweige hat, in ihre Nase ein. Die Worte, die sie daraufhin sprechen, kann niemand verstehen. Mit diesem Pulver verlieren sie den Verstand und sind wie berauscht." (Kolumbus in Reichel Dolmatoff 1975:5)
Schamane und Hilfsgeister. Aus der Bilderchronik des Guamán Poma de Ayala.
Ramón Pané geht in seiner „Relación acerca de las antigüedades de los indios" (Pané 1498/1974) diesen Ritualen weiter nach und beschreibt als einer der ersten Chronisten ein schamanisches Heilritual in Amerika: Patient und Heiler nehmen das halluzinogene Schnupfmittel cogioba oder cohoba ein, um einen veränderten Bewusstseinzustand herbeizuführen, dem große therapeutische Bedeutung zukommt. Dabei "... sagen sie Dinge als hätten sie den Verstand verloren, und behaupten sie sprechen mit den cemis, und das diese die Krankheit verursacht hätten." (Pané 1498 in Reichel Dolmatoff 1975:6)
Pané beschreibt auch andere Kontexte der Verwendung von cohoba durch Schamanen. Diese stehen in engem Zusammenhang mit den Grundprinzipien indianischer Weltbilder und den Formen des Kontakts mit übernatürlichen Kräften: So gelten generell alle Naturerscheinungen als beseelt, viele Formen der Natur verfügen über besondere spirituelle Kräfte mit denen SchamanInnen kommunzieren können. So beschreibt Pané, dass ein Baum den Taino hie und da ein Zeichen gibt, in dem er etwa eine Wurzel bewegt. Der Schamane wird davon verständigt, er setzt sich neben Baum, schnupft cahoba, begrüßt den Baum als Gottheit und spricht mit ihm.
Auch im Rahmen von Kriegsritualen findet das Schnupfmittel bei den Taino Verwendung: Es hilft den Schamanen Voraussagen über Erfolg oder Misserfolg von Kriegszügen zu machen. Er setzt sich in Trance it den Cemis (den Göttern) in Verbindung und spricht während seiner Vision zu den Kriegern, die ihm Fragen zu den geplanten Unternehmungen stellen.
Pané bleibt die symbolische Bedeutung der Prophezeiungen verschlossen, er nimmt lediglich Heiden und Zauberer war, die Unsinn (mit dem Teufel) sprechen: "Bedenke man ihren Geisteszustand, denn sie sagen, das Haus stehe auf dem Kopf und die Menschen gehen auf ihren Köpfen, mit den Füßen in der Luft." (Pané 1498 in Reichel Dolmatoff 1975:7) |