Las Casas vertritt im Disput von Valladolid ein egalitaristisches Konzept, das er aus der Lehre Christi ableitet (Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst). Die Menschen sind von Natur aus gleich, der Unterschied liegt zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Las Casas verteidigt die Rechte der Indianer und klagt die Gräueltaten der Spanier an.
Sein Prinzip der Gleichheit impliziert jedoch nicht eine Gleichwertigkeit des Anderen in seiner Differenz, sondern streicht vielmehr seine Fähigkeit hervor, sich den eigenen = christlichen Werten (die als universell postuliert werden) anzunähern und diese zu übernehmen. So betont er wiederholt, „die Indianer seien bereits mit christlichen Wesenzügen ausgestattet und strebten danach, ihre gewissermaßen «wilde» Christlichkeit erkennen zu lassen..." (Eine Haltung, die - etwas anders formuliert - bis heute von vielen Missionaren vertreten wird.) "Anstelle der Anerkennung der Identität des Anderen, wird an die Stelle dieser Identität eine Projektion des Selbst oder der eigenen Ideale gesetzt" (Todorov 1985:197, 202).
Die Juroren treffen zwar keine Entscheidung, doch Las Casas wird eher befürwortet. Papst Paul III stellt in der päpstlichen Bulle von 1537 fest, dass alle Menschen (auch Indianer) zu Christen bekehrt werden sollen („Gehet hin und lehret alle Völker"), christliche Indianer sind demnach als wahre Menschen zu behandeln und dürfen weder ihrer Freiheit noch ihres Eigentums beraubt werden - ein Grundsatz der - wie auch andere Gesetze - nur formal in die Praxis umgesetzt wird. Die Indianer werden formell nicht versklavt, Sklaven werden in der Folge aus Afrika importiert.
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