Im Rahmen der Conquista galt es zu bestimmen, ob die Indianer ein Seele hätten, und deshalb den Menschen zuzuordnen seien. Haben sie eine Seele, so können sie zu Christentum bekehrt und so zu wahren Menschen gemacht werden. Sind sie nun Christen und wahre Menschen, so stellte sich die Frage, ob sie versklavt werden können oder ob sie vielmehr gleichgestellte Untertanen der Krone sein sollen (vgl. Todorov 177-218).
Die Institution des requierimento, das Verlesen des Anspruchs der spanischen Krone auf das entdeckte Land, das sie damit in Besitz nahm, wies den Indianern generell ein unterordnete Position zu. Sie konnten sich dem Herrschaftsanspruch der Spanier unterwerfen, dann waren sie „normale Untertanen". Widersetzten sie sich ihm, so hatten die Conquistadoren das Recht, gewaltsam gegen sie vorzugehen.
In Spanien entspann sich eine Debatte um das Wesen der Indianer, in der es einerseits um Gleichheit und Ungleichheit, aber auch um Identität und Verschiedenheit ging. Zu diesen Fragen wurde nicht nur in verschiedenen Schriften und Erlässen Stellung genommen, es fand auch ein öffentlicher Disput zwischen den wichtigesten Kontrahenten - Ginés de Sepúlveda und Bartolomé de las Casas statt, der in Valladolid tagelang „life" vor einer Jury von Gelehrten, Juristen und Theologen ausgetragen wurde.
In dem Disput von Valladolid um das Wesen und die Rechte der Indianer kommen verschiedene Diskurse zum Ausdruck, die bis zur Gegenwart die Position der Indianer im kulturellen und politischen Gefüge Lateinamerikas prägen.
"Die Verschiedenheit verkommt zur Ungleichheit, die Gleichheit zur Identität; dies sind die beiden großen Figuren, die den Raum der Beziehung zum anderen unentrinnbar eingrenzen." (Todorov 1985:177)
Der Diput von Valladolid im WWW:
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