Das monumentale ethnographische Werk „Die Feuerlandindianer" beruht auf vier Forschungsaufenthalten Gusindes bei verschiedenen ethnischen Gruppen in Feuerland. Diese indianischen Gemeinschaften fielen - wie viele andere „Stämme" im Cono Sur (z.B. die Tehuelche in Patagonien) - Anfang des 20. Jahrhunderts dem Ethnozid und Genozid im Rahmen einer aggressiven Kolonisationspolitik zum Opfer. Zu den indianischen Gemeinschaften, die Gusinde studierte und beschrieb, zählen u.a. die Selk`nam (Ona) und die Halawulup (Gusinde 1931/1974)
Die Feuerlandindianer bestritten ihre Subsistenz als Jäger- und SammlerInnen und waren auf die Nutzung ihrer natürlichen Umwelt in hohem Maße spezialisiert. Trotz des kargen Landes und des rauhen Klimas nützten sie verschiedenste Ressourcen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und ihre Lebenswelt zu gestalten. Dem Meer und der Küste kam dabei besonders großer Stellenwert zu (etwa zur Nahrungsbeschaffung - Muscheln, Seetang, Fische und Seesäuger wie Wale und Robben).
Die relativ einfache materielle Kultur dieser Gesellschaften wurde zur Zeit Gusindes meist als Zeichen von „Primitivität" gelesen, sie galten als Inbegriff für den Beginn der Menschheitsgeschichte und der kulturellen Entwicklung. Wenig Beachtung zollte man dem komplexen Weltbild, der Mythologie und der rituellen Struktur, größere geistige Leistungen wurden ihnen abgesprochen.
Die umfangreichen Ethnographien von Gusinde liefern hingegen ein differenziertes Bild dieser Gesellschaften. Sie beschäftigen sich mit der Subsistenz in einem spezifischen Habitat und werden unter diesem Aspekt bis heute als wichtiges Datenmaterial für kulturökologische Analysen verwendet (vgl. Wilson 1999). Zum anderen widmete sich Gusinde verschiedenen Aspekten des sozialen Lebens, der Religion und der Mythologie. Unter anderem geben seine Werke Aufschluss über die Geschlechterbeziehungen und zeigen ein spezifisches Frauenbild in Gusindes Ethnographien.
Während seine Beschreibungen und Interpretationen teilweise von den Thesen der Kulturkreislehre geprägt waren (z.B. in bezug auf die Betonung des „Hochgottglaubens" und der strengen Einhaltung der Monogamie), bleibt er doch offen für eine komplexe und vielschichte Darstellung der Lebenswelt dieser Kulturen. |