Columbus zeichnet in seinem Bordbuch ein bestimmtes Menschen- und Kulturbild der Indianer, das von Tzvetan Todorow hervorragend analysiert wurde (Todorow 1985: 47-66). Der Entdecker schreibt den Bewohner der „Neuen Welt" viele positive Eigenschaften zu (Schönheit, Sanftheit, Unschuld), er charakterisiert sie aber vor allem in bezug auf die Wünsche und Vorhaben der Europäer. So sind die Indianer keine eigenständigen Subjekte mit einer eigenen (etwa gleichwertigen) Kultur, sondern vielmehr ein Teil der Landschaft, unschuldige Naturkinder, dazu prädestiniert, den Europäern ihr Land und ihre Güter zu überlassen. Eine eigene Kultur- etwa eigene Religion - wird ihnen abgesprochen. So sind sie einfach ungetaufte Seelen, die in den Schoß der Kirche aufgenommen werden sollen:
„Ich glaube, daß die Indianer hier keine Religion besitzen. Ich sah sie nie ein Gebet verrichten. Zwei, die ich mit mir führe, habe ich das «Salve Regina» und das «Ave Maria» gelehrt. Sie beten mit erhobenen Händen und wissen auch schon, daß sie sich am Beginn und am Ende eines Gebets bekreuzigen müssen." Columbus, Bordbuch, 1. November 1492 (1970:103) |