Logo
Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 1 Chronisten und Missionare
 up 1.7 Sind Indianer Menschen?

1.7.5 Die wilde, heidnische Gemütsart

Der Begriff des Wilden verschmilzt oft mit dem des Heiden, der nur durch Missionierung aus seiner - dem wilden Tier verwandten - Existenz erlöst werden kann, um so zum zahmen, zivilisierten Indianer zu werden (vgl. Taussig 1987:93-126). Im Bericht des Tiroler Jesuiten Niclutsch kommen diese Konzepte folgendermaßen zum Ausdruck:

"Ein wilder Indianer ist ein Abenteuer, dessen Kopf voll der Unwissenheit, das Herz voll des Undanks, das Gemüth voll der Unbeständigkeit, dessen Händ und Schultern der Trägheit, der Bauch dem Föllern, und die Füße der Furcht unterworfen. Aus diesem läßt sich schließen, was bitteren Schweiß und Arbeit den Missionarien es kosten müsse, aus diesen so unartigen Stöck und Blöcken erstlich vernünftige Menschen, als dann auch gute Christen nach und nach zu schnitzeln." (Niclutsch 1781:54)

Bei dieser "Schnitzerei" geht es vor allem darum, die andere Kultur, die "barbarische Gemütsart" auszumerzen. Nicht die Natur des Indianers macht ihn schlecht, sondern seine Befangenheit in seiner eigenen, anderen Kultur - in Heidentum und Wildheit. Aufgabe der Missionare liegt hier primär im Verändern der indigenen Lebensweise, sie sollen nicht nur die Natur des Indianers mit christlichem Inhalt ergänzen (Moebus 1982:50), sondern ihn vollständig umformen. Erst durch seine Angleichung an christlich-europäische Wertvorstellungen wird er zum Menschen.

Der Wilde wird somit als Gegenkategorie konstruiert: Dabei wird jeder Ausdruck des Andersseins, wie z.B. auch Kleidung, Haartracht oder Körperbemalung abgewertet, das Nicht-Europäische wird als Nicht-Menschlich konzipiert und entweder dem Tierischen oder dem Teuflischen zugeordnet.

"Je schöner die Natur auch die wildesten Indianer gestaltet, desto schändlicher werden sie von ihrer eigenen Dummheit verunstaltet und häßlich gemacht, also zwar, daß derjenige, der ihrer das erste Mal ansichtig wird, vermeint, er sehe vor seiner eine Schar abscheulicher Teufel in menschlicher Gestalt. ...

Aus der barbarischen Art, mit der die Wilden zum Tort der Natur ihre Leiber verunstalten, kann man leicht abnehmen, wie barbarisch ihre Gemütsart, solang sie im Heidentum verharren, sein müsse, welche ihre Vernunft so verfinstert, das sie vielmehr Vieh als Menschen zu sein scheinen." (Niclutsch 1781:49,54)

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"