Das komplexe Netzwerk von Beziehungen zwischen Natur, Mensch und Spirituellem (bzw. göttlichen Wesen) kommt besonders deutlich in verschiedenen rituellen Praktiken zum Ausdruck, welche die Nutzung von natürlichen Ressourcen begleiten.
So stellen in indianischen Kulturen Jagen, Fischen oder Pflanzen keine eindimensionalen Interaktionen des Menschen mit (natürlichen) Objekten dar. Soll eine solche Handlung effektiv sein, muß sie auch den spirituellen Aspekten von Mensch und Natur Rechnung tragen. Diese Einstellung kommt u.a. in Riten zum Ausdruck, welche etwa im Rahmen der Jagd oder rund um die Tätigkeiten des Bodenbaus zelebriert werden.
Um das Jagdwild (leichter) erlegen zu können, wird z.B.:
- der richtige Zeitpunkt für einen Jagdzug durch Traumdeutung bestimmt,
- das Jagdwild durch Träume und magische Gesänge wehrlos gemacht, oder
- mit dem Herrn der Tiere verhandelt, wieviel Jagdbeute den Menschen zusteht.
Um das Gedeihen von Kulturpflanzen zu gewährleisten, werden z.B.:
- der "Mutter Erde" Opfer dargebracht (z.B. in den Anden),
- magische Lieder gesungen, in denen sich die Frauen mit der mythischen "Herrin des Gedeihens" identifizieren (z.B. bei den Shuar und Achuar im Amazonasgebiet)
- Tanzfeste veranstaltet (z.B. bei den Tarahumara in Mexico).
Um die besonderen Kräfte (encanto) und Bedeutungen eines rituellen Ortes für das Wohl der Menschen zu nutzen oder die spirituellen Wesen, die an diesem Ort weilen, zu verehren, werden z.B.
Solche Rituale sind in komplexe Weltbilder und kulturelle Gefüge eingebunden, sie sind Teil der Kosmovision im Sinne von Johanna Broda (z.B. Broda 1999, vgl. auch Boege 2002, Mader 2002). Solche Weltbilder bzw. Kulturen sind jedoch ihrerseits im wieder Veränderungen unterworfen. |