Aus einem Gemälde von Pablo Ameringo (Luna und Ameringo 1999:125).
Das Wort „Schamane" stammt aus Sibirien und bezeichnet heute in Wissenschaft und Alltagssprache ein breites Spektrum von Personen, die mit Hilfe von Ritualen und spirituellen Kräften auf verschiedene Lebensbereiche, auf Mensch, Natur und Übernatürliches einwirken. Schamanismus ist keine einheitliche Religion, sondern eine kulturübergreifende Form spiritueller Wahrnehmung und Praxis. Schamanismus ist ein Konglomerat von Vorstellungen und Handlungen, die auf Problemlösung hin orientiert ist und bestimmte gemeinsame Merkmale aufweist.
SchamanInnen sind oft Heiler, Priester, Politiker und Mystiker in einem, ihre Ideen und Praktiken sind in unterschiedliche Gesellschaften und in verschiedene religiöse Systeme eingebettet und stehen in Zusammenhang mit ihrem sozialen und politischen Umfeld (vgl.Vitebsky 1998: 6-10).
Schamanismus tritt uns in Lateinamerika in vielen Gestalten entgegen. Einige traditionelle Kulturen im Amazonasgebiet gelten oder galten als typisch schamanische Gesellschaften, d.h. SchamanInnen spielen dort eine zentrale Rolle in bezug auf Weltbild, Ritual und soziale Prozesse. Im Andenraum hingegen besteht seit vielen Jahrhunderten eine stratifizierte und differenzierte Gesellschaft. SchamanInnen praktizierten dort immer neben und mit anderen religiösen Spezialisten und Heilkundigen, wobei es oft fließende Übergänge zwischen den einzelnen Handlungsfeldern und ihren Akteuren gab und gibt (vgl. auch Thomas und Humphrey 1994).
Heute leben und arbeiten viele SchamanInnen in urbanen Metropolen, sie sind keineswegs ein archaisches Relikt der Menschheitsgeschichte, sondern wichtige Akteure der Alltagskultur der Gegenwart. Ihre Kenntnisse als HeilerInnen, als curanderos bzw. curanderas - wie man sie oft bezeichnet - werden von großen Sektoren der lateinamerikanischen Bevölkerung mindestens so oft in Anspruch genommen wie jene der westlichen Medizin. |