Die sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskurse zum Verhältnis von Kultur und Globalisierung greifen mehrere Fragestellungen auf, die viel älter sind als die Globalisierung und ihre wissenschaftliche Analyse. Sie stehen generell mit kulturellen Begegnungen und Konflikten, mit Verflechtungen und Abgrenzungen sowie mit dem Verhältnis von Kultur, Raum und Macht in Zusammenhang.
Diese Phänomene beruhen auf der Beweglichkeit von Menschen, Ideen und Objekten, ein Charakteristikum aller Gesellschaften seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte (vgl. Parkin 1998). Wenngleich die Interaktionen in der Vergangenheit langsamer von statten gingen und nicht in ein weltumspannendes Netzwerk integriert waren, so zeigen sich doch viele strukturelle Gemeinsamkeiten.
- Kulturen waren nie geschlossene Systeme mit einem gleichbleibenden Satz gemeinsamer Merkmale, sondern haben sich laufend verändert und wechselseitig beeinflusst, waren also immer hybrid und miteinander vernetzt (vgl. Wolf 1986). Das zeigt sich unter anderem im religiösen Bereich: Wenngleich viele Religionen (etwa das Christentum und der Islam) in ihren Diskursen häufig die Einzigartigkeit oder Reinheit ihrer Lehren unterstreichen, so entstanden doch alle Religionen aus anderen religiösen Konzepten (durch Vermischung und Neu-Interpretation heterogener Elemente).
- Auch Homogenisierung ist per se nichts neues: Politische und kulturelle Gefüge, die über einen längeren Zeitraum hinweg große Regionen und verschiedene Lokalkulturen beherrschen, bewirken immer ein gewisses Maß an Homogenisierung: Das gilt für die Globalisierung, den Kolonialismus, aber auch für den Hellenismus, das römische Reich oder die südamerikanischen Imperien der präkolumbischen Epoche (z.B. Tiwanaku, Chimu, Inka).
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