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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 5 Kultur, Macht, Identität
 up 5.1 Klassifikationen und Zuordnungen

5.1.2 Rasse, Kultur und Macht

In Lateinamerika wird die Bevölkerung in vielen Kontexten in bezug auf ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse klassifiziert (Weiße, Schwarze, Indianer). Der Begriff Rasse (raza) umfaßt in Lateinamerika sowohl biologische als auch ethnisch-kulturelle Bedeutungen. Heute wird Rasse nicht als ausschließlich biologische Kategorie verstanden, sondern auch als soziale Konstruktion betrachtet. Trotzdem orientiert sich der Begriff Rasse nach wie vor stark an körperlichen Merkmalen und ist demnach klar von jenem der Ethnizität zu unterscheiden (Wade 1997:5-24).

In vielen Ländern herrschen stark ausgeprägte Hierarchien zwischen den verschiedenen "Rassen" (z.B. in Brasilien oder Guatemala). Die „rassische Ordnung" geht dabei meist Hand in Hand mit einer sozialen sowie mit einer kulturellen Ordnung.

So bilden die Weißen nach wie vor in den meisten Staaten die Oberschicht und Teile der Mittelschicht, während Indianer und Schwarze in erster Linie die breite Masse der Unterschicht und manchmal Teile der Mittelschicht ausmachen.

Um diese Unterschiede zu verschleieren und eine "nationale Kultur" zu etablieren entwickelten die Nationalstaaten verschiedene Konzepte der (rassischen und kulturellen) Homogenisierung, etwa das Konzept der mestizaje (Mestizentum) oder des blanqueamiento("Weißwerden"). Als Mestizen werden grundsätzliche all jene Menschen bezeichnet, die weder zu den "Weißen" zählen, noch einer spezifischen indianischen Gemeinschaft angehören. Sie bilden einen großen Teil der lateinamerikanischen Bevölkerung, ihre Lebenswelt ist von der iberoamerikanischen Kultur geprägt, sie sind Christen und sprechen Spanisch oder Portugiesisch.

Grundsätzlich werden Weiße und „weiße Kultur", die sich an Europa und den USA orientieren, als überlegen betrachtet, die anderen Kulturen sollen sich ihr nach Möglichkeit anpassen. Whitten bezeichnet etwa die ecuadorianische Gesellschaft der 80er Jahre des 20.Jh. als ein sozio-politisches Gefüge, in dem indigene und afroamerikanische Lebensweisen auf verschiedenen Ebenen abgewertet werden.

Dies prägt die soziale und ethnische Struktur des Landes: Sie beruht auf dem Überlegenheitsanspruch der "weißen Kultur" und ihrer Repräsentanten, die sich als zivilisiert und fortschrittlich verstehen, gegenüber den indianischen und afroamerikanischen Kulturen, die als rückständig, wild und unzivilisiert gelten (Whitten 1985: 39-44, 224, vgl. auch Krotz 1993, zu theoretischen Perspektiven in bezug auf Verhältnis von Rassismus und kultureller Identität vgl. u.a. Hall 1994, Wade 1997).

Grafik: Developmentalist Ordering of Ecuadorian Social and Ethnic Structure

Nach Whitten 1985:43

Aus diesen Grundschema leiten sichverschiedene Formen des Rassismus und der kulturellen Bevormundung ab, die zwar keineswegs von allen „weißen" LateinamerikanInnen befürwortet und geteilt werden, jedoch große Bereiche des Alltagslebens prägen (vgl. u.a. Hofbauer 1995, Oertzen 1992a)

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