Die indigenen Völker begreifen die natürlicher Umwelt als mehrdimensionaler Lebenswelt, in der Mensch und Natur eine untrennbare Einheit darstellen. Sie wehren sich auch gegen jede Form der Aufsplitterung der Beziehung Mensch/Natur in einzelne Bereiche, die legalen Sonderregelungen unterworfen sind.
In diesem Zusammenhang ist z.B. die Ablehnung europäischer Naturschutzmodelle, die von einer Absonderung der Natur vom Menschen ausgehen, zu sehen. Nationalparks stellen den Umgang der Industriegesellschaft mit der Natur nicht generell in Frage, sondern isolieren und schützen kleine Regionen, während der Großteil der Umwelt der Zerstörung anheimfällt.
Ein anderer Aspekt dieses umfassenden Umweltbegriffs manifestiert sich in der Weigerung der indigenen Organisationen, eine Trennung von Rechten an der Erdoberfläche und den Rechten auf all jene Ressourcen, die im Boden zu finden sind, zu akzeptieren. Das Ausklammern dieses Aspekts der Landrechte räumt dem Nationalstaat permanenten Zugriff auf indigene Territorien ein und widerspricht dem Prinzip der Selbstbestimmung über die Beziehung von Gesellschaft und Natur.
Die indigenen Organisationen bleiben keineswegs bei einer Kritik bestehender Gegebenheiten stehen, sondern liefern konkrete Vorschläge für andere Entwicklungs- und Umweltschutzmodelle. Unter dem Begriff "Ecodesarollo" (Öko-Entwicklung) präsentieren sie ihre Vorstellungen von regionaler Entwicklung, die auf dem traditionellen Umgang mit der natürlichen Umwelt aufbaut (vgl. z.B. Schmidtkunz 2003). |