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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 4 Mensch, Natur, Weltbild
 up 4.4 Natur, Land und Landrechte

4.4.1 Ökologie, Gesellschaft und Politik in Ecuador

Die Konföderation der indigenen Nationalitäten Ecuadors (CONAIE) definierte in einem Grundsatzpapier zu ökologischen und territorialen Fragen die Beziehung des Menschen zur Natur folgendermaßen:

"Entsprechend ihrer Kosmovision stellt für die Menschen der indigenen Kulturen die Welt ein Energiesystem dar, das den Menschen miteinschließt. Berge, Wälder, Flüsse, Erde, Felsen und Minerale sind Teil eines Systems, in dem organische und anorganische Aspekte nicht kategorisch getrennt, sondern systhematisch miteinander verbunden sind." (CONAIE 1992:7)

Die Integration von "menschlicher Umwelt", "natürlichen Ökosystemen" und "spirituellem Universum" wird dabei als zentrale Achse des indigenen Weltbilds dargestellt. Sie wird am Beispiel der Konzeption des Waldes als umfassende Lebenswelt ausgeführt:

Der Wald gewährleistet zum einen materielles Wohlergehen, er ist eine Quelle von Ressourcen, die das Überleben der Menschen sicheren. Darüber hinaus wird der Wald als sozialer Raum konzipiert, der die Reproduktion der sozialen Beziehungen garantiert, wie auch als kultureller und spiritueller Raum, als Ort der Mythen und der rituellen Praxis (CONAIE 1992:9-10).

Die Diskussion um verschiedenen Umgangsformen mit Natur erfolgt in Lateinamerika in einem sozio-politischen Kontext, in dem indigene Vorstellungen und Lebensweisen häufig als rückständig bzw. "anti-modern" gesehen werden. Sie werden in diesem Sinne nicht nur als Hemmnis sondern auch als Widerstand gegen den allgemeinen Menschheitsfortschritt betrachtet (Krotz 1993). Diese Haltung ist keineswegs auf Lateinamerika beschränkt: das Anderssein indigener Kulturen, ihre anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen, gelten oft nicht als wünschenswerte Vielfalt, sondern als Hindernisse für die Entwicklung der jeweiligen nationalen Gesellschaft.

In Ecuador prägt diese kognitive Ordnung die soziale und ethnische Strukur des Landes. Seit ca. 30 Jahren kam es jedoch zu einem intensiven politischen Organisationsprozeß der indigenen Nationalitäten, die etwa 50% der ecuatorianschen Bevölkerung ausmachen und verschiedene Sprachen und Kulturen umfassen. Heute stellen die indianischen Gemeinschaften und ihre VertreterInnen einen wesentlichen Faktor der nationalen Politik dar.

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