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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 1 Chronisten und Missionare
 up 1.4 Hans Staden bei den "Menschenfresser-Leuten"

1.4.1 Biographisches

Caravelle im Sturm

Hans Staden, zwischen 1525 und 1528 in Hessen geboren, trat 1547 im Dienst portugiesischer Seefahrer und Händler seine erste Reise nach Brasilien an. Sie führte ihn in das Küstengebiet von Pernambuco, in die Region der heutigen Stadt Recife. Die Reise fällt in die Zeit der ersten Kolonisationsversuche der Portugiesen und Franzosen in Brasilien, deren kommerzielles Ziel vor allem derHandel mit "Brasilholz" war. Die lokalen indianischen Gemeinschaften - meist Tupi-Guarani - waren teilweise Handelspartner, sie waren aber auch in bewaffnete Konflikte mit den Europäern verwickelt. In den ersten Kapitel seiner "wahrhaftigen Historie" beschreibt Staden die Seereise, die Handelsniederlassungen und Befestigungen sowie die Auseinandersetzungen mit Indianern und Franzosen (vgl. Faber 1988).

Der größte Teil seines Buches widmet sich Stadens zweiten Reise nach Brasilien (1549-1555), die er diesmal als Kanonier in spanischen Diensten begann. Ziel dieser militärischen Expedition unter Diego de Sanabria ist die La Plata Region. Die Schiffe der Expedition werden jedoch durch Stürme auseinander getrieben und Hans Staden landet schließlich an der Küste Brasiliens. Dort sitzt die Mannschaft zwei Jahre fest und die Widernisse nehmen kein Ende. Ein neu gebautes Schiff geht ebenfalls zu Bruch, man muß zu Fuß weiter, an der Küste entlang. Schließlich gelangt Staden in eine kleine portugiesische Handelsniederlassung, wo er bei deutschen und niederländischen Kaufleuten Aufnahme findet. Er betätigt sich militärisch, befestigt das Fort, errichtet ein Kastell und ist immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen mit einer feindlichen indianischen Gruppe, den Tupinampá verwickelt.

Befestigtes Dorf

Bei der Jagd wird er 1553 von Tupinampá entführt, seine Gefangenschaft bei dieser indianischen Gemeinschaft, seine Erlebnisse und die Beschreibung der Lebenswelt seiner "Gastgeber" bilden den zentralen Teil des Buches. Er gelingt Staden, dem "gefressenwerden" zu entgehen: Er wird nicht ihm Rahmen von kannibalischen Kriegsritualen getötet, sondern kann sich durch seine "schamanischen Aktivitäten" in der Gemeinschaft Respekt verschaffen und so überleben. Als gläubiger Protestant ist er oft tief ins Gebet versunken und "spricht mit Gott". Von den Tupinampá wird er deshalb offenbar als eine Art Schamane (pajé) betrachtet und bald von ihnen aufgefordert mit Hilfe seines Gottes das Wetter zu beeinflussen, Kranke zu heilen oder die Zukunft vorherzusagen. Da ihm das teilweise gelingt, erlangt er als Sklave einen relativ hohen Status und entgeht dem Tod. Er verbringt etwa ein Jahr bei den Tupinampá, schließlich gelingt es ihm, mit einen französischen Schiff zu entkommen, das ihn gegen Handelsware einlöst.

Im Anschluss an seinen Erlebnisbericht präsentiert Hans Staden die Ergebnisse seiner unfreiwilligen Feldforschung unter dem Titel: Wahrhaftiger kurzer Bericht aller Gebräuche und Sitten der Tupinampás, wie ich sie während der Zeit meiner Gefangenschaft bei ihnen erfahren habe.

Staden kehrt 1555 nach Deutschland zurück und verbringt den Rest seines Lebens in Wolfshagen in Hessen als Pulvermüller und Seifensieder, wo er im Jahr 1576 - wahrscheinlich an der Pest - stirbt (Faber 1988:47).

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