In Erweiterung der Thesen von Julian Steward beschäftigte sich Betty Meggers mit dem Zusammenhang von Kultur und natürlicher Umwelt im Amazonasraum. Sie entwickelte dazu verschiedene Theorien, die sie auch im Rahmen ihrer archäologischen Arbeiten zu überprüfen versuchte.
Für Meggers ist der ausschlaggebende Faktor für den jeweiligen Kulturtypus das landwirtschaftliche Potential seiner Umwelt: „The level to which a culture can develop is dependent upon the agricultural potential of the environment it occupies."(Meggers 1954:140). Das Amazonasgebiet klassifiziert sie als einen Umwelttypus mit „begrenztem landwirtschaftlichen Potential", welches sie primär auf die geringe Fruchtbarkeit der tropischen Böden zurückführt (Meggers 1954, 1971; vgl. auch Wilson 1999: 176-180).
Diese Begrenzung der kulturellen Entwicklung wurde von Meggers zunächst für das gesamte Amazonasgebiet postuliert. Die Ergebnisse archäologischer und ökologischer Forschungen der folgenden Jahre machten jedoch deutlich, dass der Amazonasraum keineswegs homogen ist.
So gibt es gravierende Unterschiede in Bezug auf die naturräumlichen Gegebenheiten, das landwirtschaftliche Potential und die indianischen Kulturen in verschiedenen Regionen. Besonders ausgeprägt sind diese Unterschiede zwischen dem Schwemmland des Amazonas und anderer „Weißwasserflüsse" (Varzea) und dem Hinterland (Tierra Firme).
Während sich in der Folge einige WissenschafterInnen mit den spezifischen Gegebenheiten in der Varzea (Schwemmlandregion) beschäftigten, entspann sich eine heftige Kontroverse über die verschiedenen begrenzenden Faktoren (limiting factor) der Tragfähigkeit (carrying capacity) der Tierra Firme und ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung.
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