Julian Steward präsentiert in seinem Werk mehrere Thesen in bezug auf die indianischen Kulturen des Amazonasgebiets. Die zentrale These lautet:
- Die Gesellschaften in diesem geographischen Raum gehören mehrheitlich demselben Kulturtypus. Sie weisen diesselbe Ebene der sozio-politischen Integration auf - es handelt sich dabei um dörfliche Gesellschaften des tropischen Regenwaldes (tropical forest culture).
- Diese Gesellschaftsform basiert auf einer gemeinsamen Subsistenzform, der tropischen Wald-Landwirtschaft (tropical forest horticulture), einer Kombination von Brandrodungsfeldbau, Jagd, Fischfang und Sammeln. Der extensive Charakter dieser Subsistenzform und die Beschränktheit der Ressourcen bedingen eine geringe Bevölkerungsdichte sowie das Fehlen von größeren Dauersiedlungen.
- Die Grundlage dieser Subsistenzform ist der tropische Regenwald, an den sie ausgezeichnet angepasst ist. Die „einfachen" Gesellschaften dieser Region stellen keine Relikte früher Formen der Menschheitsgeschichte dar, sondern einen - im Rahmen einer multilinearen Evolution - hoch entwickelten und besonders gut an seine natürliche Umwelt angepassten Kulturtypus.
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Weiters stellte Steward die These auf, die Bevölkerung dieser Region wäre in prähistorischer Zeit aus dem Andenraum eingewandert, hätte langsam die andinen Kulturmerkmale abgelegt und sich an die neue Lebenswelt angepasst. Diese These beruhte auf dem archäologischen Forschungsstand der 40er Jahre und wurde durch neuere Forschungen widerlegt (vgl. u.a. Roosevelt 1980).
Aufbauend auf diesen Ansätzen entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der Ökologie der Subsistenz im Amazonasgebiet beschäftigten. Sie verfeinerten den Begriff der tropischen Wald-Landwirtschaft (tropical forest horticulture) (Wilbert 1961) und liefern bis heute eine große Vielfalt von empirischen Studien zum Zusammenhang von Ökologie, Kultur und Landwirtschaft in dieser Region
Eine andere Gruppe von Arbeiten setzte sich vor allem mit dem Zusammenhang zwischen den ökologischen Bedingungen und der sozio-kulturellen Entwicklung der Regenwaldkulturen (tropical forest culture) auseinander. |