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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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Mensch, Natur, Weltbild

Die Interaktion von Mensch und Natur steht in allen Gesellschaften im Mittelpunkt menschlichen Seins. Natur bildet als wirtschaftliche Ressource die Grundlage für Produktion, ferner stellt der gedankliche Umgang mit Natur einen wichtigen Aspekt des Weltbilds einer Gesellschaft dar. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die kultur- und sozialanthropologische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex in Lateinamerika.

  • Sie erstreckt sich einerseits auf verschiedene Dimensionen der Nutzung des natürlichen Raums und seiner Ressourcen: Dazu zählt die Beschäftigung mit der großen Bandbreite von Subsistenz- bzw. (Land)Wirtschaftsformen und ihrer Vernetzung mit bestimmten lokalen Naturräumen. So beruhen viele indianische Wirtschaftsweisen und soziale Organisationsformen auf einer intensiven Interaktion mit speziellen Landschaften und ökologischen Zonen (z.B. Anden, Amazonasgebiet, Llanos Mojos). Wichtige theoretische Impulse für dieses Forschungsfeld lieferten die Ansätze der Kulturökologie.
Feldbau in den Anden, Chugchilán, Ekuador
  • Das Verhältnis von indianischen Kulturen zu Land und Ressourcen ist in Bezug auf Landrechte und Rechte auf indigenes bzw. lokales Wissen von großer Bedeutung. So gelten etwa die indianischen Wirtschaftsformen im Amazonasraum als besonders nachhaltig und "naturschonend". Aus diesem Grund kommt ihnen im Rahmen der globalen Naturschutz-Bewegung besonderer Stellenwert zu.
Wandbild, Macas, Ecuador
  • Die Beziehungen zwischen Mensch und Natur kommen auch in Vorstellungen und Konzepten zum Ausdruck, die das Denken über Natur prägen. Das Verständnis von Natur ist keineswegs allgemein gültig, der Begriff Natur ist nicht "naturgegeben". Er ist vielmehr Ausdruck von kulturspezifischen Sichtweisen, welche die Beziehung der Menschen zu ihrer natürlichen und sozialen Umwelt prägen. Solche Vorstellungen kommen u.a. in Mythologie, Weltbild und Ritual (z.B. im Schamanismus) zum tragen. Dieses Forschungsfeld ist teilweise stark von strukturalistischen Ansätzen beeinflußt, aber auch von verschiedenen Theorien zu Kosmologie bzw. Kosmovision.
Vilcabamba-Tal, Ekuador
  • Denken über und Handelns in der Natur prägen auch verschiednene Aspekte des Tourismus in Lateinamerika. Die Konstruktion des touristischen Raums ist von Transformationsprozessen gekennzeichnet, in denen symbolische und kommerzielle Aspekte wirksam werden. Eine wichtige Dimension ist die Verwandlung von Elementen der lokalen Natur (und Kultur) in konsumierbare Einheiten. Lokale Naturräume sind Objekt touristischer Betrachtung und ein wichtiges Elemtent ihrer Erlebniswelt. Die Konstruktion touristischer Räume baut einerseits auf der lokalen (Kultur)Landschaft auf, andererseits wird sie wesentlich von jenen„globalen Träumen", Bildern und Codes (u.a. über Natur) bestimmt, welche die Touristen in ihrem geistigen Gepäck mitführen.

 down 4.1 (Kultur)Ökologie und Gesellschaft im Amazonasgebiet
 down 4.2 Eva Fischer: Ökologie und Wirtschaftsformen der Anden. Das Beispiel der Dorfgemeinschaft Upinhuaya
 down 4.3 Beseelte Natur: Weltbild, Landschaft, Kosmos
 down 4.4 Natur, Land und Landrechte
 down 4.5 Fragestellungen
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