Die Aufzeichnungen (relaciones) waren in erster Linie Rechenschaftsberichte und Informationen für die Krone bzw. für andere übergeordnete Stellen im Rahmen der kolonialen Verwaltung. Sie sollten vor allem über den Fortschritt des kolonialen Projekts informieren und sachdienliche Hinweise über Land und Leute enthalten. Ein Teil der Berichte stammt von schreibkundigen Soldaten bzw. Conquistadoren, die den Prozess von Eroberungen oder Entdeckungsfahrten beschreiben (Beispiel: Textausschnitt von Hernando de Benavente). Der Großteil stammt jedoch aus der Feder von Klerikern, die generell über den höchsten Bildungsstand in der damaligen europäischen Gesellschaft verfügten.
Einige Chronisten brachten den lokalen Menschen und Kulturen intensives Interesse entgegen und hinterließen u.a. wertvolle Dokumente über die indianischen Gesellschaften dieser Zeit. Besonderes Augenmerk legten sie oft auf die religiösen Vorstellungen und Praktiken. Dies geschah zumeist im Interesse der Missionierung: Ihr wichtigstes Anliegen war es, die Kosmologien und Rituale, die sie beschrieben, so schnell und so gründlich als möglich auszumerzen. In vielen Chroniken werden die lokalen Kulturen besonders "wild", "barbarisch" und „dämonisch" dargestellt, um auf diese Weise das Projekt der Kolonisierung und Missionierung zu legitimieren.
Generell geben die Chroniken (relaciones) sowohle Auskunft über lokale Gegebenheiten, als auch über die Einstellungen und die (religiösen) Konzepte ihrer Verfasser. |