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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 3 Große Theorien (1940-1970)

3.2 Umwelt und Gesellschaft: Die Kulturökologie von Julian Steward

Ausgehend von der Dokumentation, dem Kategorisieren und "mapping" von indianischen Kulturen interessierte sich eine Gruppe von AnthropologInnen besonders für Fragestellungen in Bezug auf das Verhältnis von natürlicher Umwelt und Gesellschaftsform.

Haus auf Hügel

Im Laufe von ca 20.000 Jahren, seit dem Überschreiten der Beringstraße durch verschiedene Gruppen von "Paleoindianern" bis zur Zeit der spanischen Eroberung entstand in Amerika eine große Bandbreite von Gesellschaften und Kulturen. Zur Zeit der Conquista bestand in Lateinamerika (vor allem in Südamerika) ein große Vielfalt von verschiedenen Subsistenz- und Gesellschaftsformen (von Jägern und Sammlern in unterschiedlichsten Arten von Habitat bis zu stratifizierten staatlichen Gesellschaften), die sehr gut an ihr spezifisches ökologischen Umfeld angepasst waren (vgl. Wilson 1999). Diese Situation veränderte sich zwar im Zuge von Kolonialisierung und Globalisierung, blieb aber fragmentarisch bis heute bestehen.

Julian Steward ging von der Beobachtung aus, dass "in Südamerika weitreichende Verflechtungen zwischen Umwelt und kulturellen Typen" bestehen (Steward und Faron 1959:45). Aufbauend auf Ansätzen des "cuture area approach" sowie unter dem Einfluß von Theorien der Ökonomen Carl Wittvogel und Karl Polyani entwickelte er verschiedene Modelle, um die Gesellschaftsformen in Südamerika und ihre Beziehungen zur natürlichen Umwelt zu ordnen und zu analysieren.

Lagerplatz

Damit begründet er die Forschungsrichtung der Kulturökologie (cultural ecology), die zwischen 1960 und 1980 (u.a. im Rahmen des Kulturmaterialismus von Marvin Harris) besonderes bedeutend war und bis heute von vielen WissenschafterInnen betrieben wird (vgl. Wilson 1999).

Sie stellt einen interdisziplinären Ansatz dar, der Methoden und Modelle der Archäologie, der Kultur-und Sozialanthropologie und der Biologie integriert. Sie setze auch wichtige Impulse für die Entwicklung der Ethnobotanik und der Ethnozoologie sowie für das Verhältnis von indianischen Kulturen und Naturschutz (z.B. im Rahmen der Fragen um Natur und Landrechte ).

Ein stärker von der Biologie beeinflusster Zweig dieser Forschungsrichtung ist die Evolutionsökologie (evolutionary ecology). Sie untersucht den Menschen, seine Kultur und seine Beziehungen zur natürlichen Umwelt in erster Linie im Kontext der biologischen Evolution mit den entsprechenden theoretischen Modellen. Sie beschäftigt sich in diesem Sinne in Lateinamerika hauptsächlich mit Gemeinschaften von Jägern und Sammlern und tropischen Wald-Gartenbauern (vgl. Kelly 1995).

Kulturökologie im WWW:

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 down 3.2.2 Zentrale Fragestellungen zur Kulturökologie
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