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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 3 Große Theorien (1940-1970)
 up 3.1 Kulturen und Kulturregionen

3.1.3 Kultur und Sprache - eine komplizierte Beziehung

Die indianischen Kulturen Lateinamerikas zeichnen sich durch die weltweit größte Sprachenvielfalt aus, so gibt es etwa in Südamerika an die 700 Einzelsprachen und etwa 100 Sprachfamilien. Die Sprachenvielfalt wird von Linguisten und Archäologen mit der Besiedlungsgeschichte des Kontinents - vor allem mit der Existenz von kleinen, über längere Zeiträume isolierten Gruppen - in Verbindung gebracht.

Wenngleich die indianischen Gemeinschaften ebenfalls ein große Bandbreite von kulturellen und sozialen Gefügen umfassen, so ist diese jedoch nicht direkt mit der sprachlichen Vielfalt verbunden.

Karte der Sprachfamilien Südamerikas

Die Sprache bildet ein wichtiges Kriterium der Klassifikation von Gruppen, sie ist jedoch nur teilweise mit deren spezifischer Kultur verbunden. So gibt es keine Übereinstimmung zwischen der Zugehörigkeit zu einer Sprachfamilie und zu einer Kulturregion. Gruppen, die derselben Sprachfamilie angehören, können extrem unterschiedliche soziale und politische Organisationsformen aufweisen und verschiedenen Ebenen sozio-politischer Integration angehören (Steward und Faron 1959)

In Südamerika existieren etliche Gefüge von indianischen Gemeinschaften, die sich durch weitreichende kulturelle Gemeinsamkeiten auszeichnen, wobei jedoch einzelne Gruppen deutlich unterschiedliche Sprachen sprechen. Ein gutes Beispiel bildet ein Gefüge von neun sozio-linguistischen Gruppen in der Montaña in Ecuador und Peru. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in bezug auf Sprache und andere Merkmale von Kultur und Gesellschaft sind keineswegs kongruent sondern folgenden anderen Prinzipien bzw. wirken zufällig (Gippelhauser 1993).

Solche Gefüge aus unterschiedlichen sozio-linguistischen Gruppen sind oft durch Tausch- und Heiratsbeziehungen aufs engste miteinander vernetzt. Sie stellen oft miteinander stärker eine soziale und kulturelle Einheit dar, als jede einzelne Gruppe für sich genommen - etwa in der Region des oberen Rio Negro in Brasilien und Kolumbien. Die meisten Menschen in diesem Gefüge (wie auch in vielen andere indianischen Gemeinschaften) sind mehrsprachig. Heiraten finden präferentiell zwischen Angehörigen verschiedener sozio-linguistischer Gruppen statt (Exogamie).

Dies bedeutet nicht, dass keine Beziehung zwischen Kultur und Sprache besteht, diese kommt deutlich in bezug auf Symbole, Konzepte und Bedeutungen zum Ausdruck (vgl. u.a. Gugenberger 1999 für das Quechua ).

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