"Es erweckt in der Tat Erstaunen, wenn man einen Indianer, der nie Bleistift und Papier gesehen hat, mit sicherer Hand die ihn umgebende Welt abkonterfeien sieht. Indessen darf man nicht vergessen, das der Indianer an Malen und Zeichnen gewöhnt ist. Er hat einen ausgeprägten Schönheits- und Verschönerungssinn und benutzt jede Gelegenheit, sich künstlerisch zu betätigen."
(Koch-Grünberg 1905: VIII)
Theodor Koch Grünberg bereiste die Vaupes Region im Grenzgebiet von Kolumbien und Brasilien in den Jahren 1903-1905. Er sollte in erster Linie im Auftrag des Berliner Völkerkundemuseums Masken sammeln und ihre religiöse Bedeutung erforschen, doch seine Interessen reichten darüber hinaus.
So beschäftigte er sich u.a. auch mit kulturtheoretischen Fragen. In diesem Zusammenhang forschte er nach Anfang und Entwicklung von Kunst, in den Ausdrucksformen der „Primitiven" sah er eine frühe, naive Geistigkeit (vgl. Münzel 1988:175-241). |