Textilien sind stark an rituelle Praktiken gebunden. Sie dienen zum Beispiel als Unterlage für die Opfernester, in welchen den spirituellen Wesen Gaben dargeboten werden.
An Festen, deren Daten Fixpunkte im rituellen Jahreszyklus bilden, werden unzählige Textil-Schichten von den Tänzern am Körper getragen.
Während nächtlicher Rituale ist für Frauen das Tragen von Stirnbändern obligatorisch. Nur so werden ihre Seelen wirksam vor negativen Einflüssen geschützt.
Der Dorfpatron Tata Santiago und seine Frau, Mama Santana, verfügen über eine persönliche Kleiderkiste, die von einer der gewählten politischen Autoritäten verwaltet wird.
Tata Santiago und seine Frau verweilen in den Nischen der Dorfkirche. Einmal jährlich, anlässlich des Festes zu ihren Ehren, werden sie in einer Prozession um den Dorfplatz geleitet. Für diesen Anlass werden sie mit Kleidungsstücken aus ihrer persönlichen Truhe festlich eingekleidet.
Im rituellen Zusammenhang kommt den Farben und Farbstoffen eine wichtige Bedeutung als Zeichen zu (Eco 1977). Die Farbe Blau weist auf den sakralen Bereich hin, Rot wird mit Blut assoziiert, Gelb mit den Ahnen und Grün mit Fruchtbarkeit. Schwarz steht für das Negative, für schwarze Magie und bedrohliche Kräfte. Weiss steht für positive Kräfte, für die Berggipfel als Wächter über die Dorfgemeinschaft, für männlich und fruchtbar. Weisse und schwarze Zwirne werden entsprechend den zugeschriebenen Eigenschaften für magische Praktiken und Rituale eingesetzt.
Alltägliche Gewohnheiten haben in den meisten Fällen eine rituelle Komponente. So müssen Frauen auf einem Awayu Platz nehmen, wenn sie sich auf den Boden setzen. Dessen Oberfläche ist ein Teil Pachamamas und darf nicht ohne schützendes Textil berührt werden. Männern bleibt diese Massnahme erspart, da sie erhöht sitzen. |