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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 7 Kultur und Globalisierung
 up 7.3 Beispiel Kuna (Panama): Molas, Kultur und Globalisierung

7.3.5 Molas, Identität und Politik

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Die massive Vermarktung der molasgeht Hand in Hand mit ihrer neuen Eigenschaft als Ausdrucksmedium für kulturelle Identität. So betonen viele Kuna Gemeinschaften, dass dem Tragen von molas große Bedeutung für das Aufrechterhalten und die Wertschätzung der Traditionen und der Identität der Kuna zukommt. Frauen produzieren zwar molas als Waren für den globalisierten Markt, sie tragen sie jedoch auch aus anderen Gründen, nämlich u.a. um soziale und politische Inhalte zum Ausdruck zu bringen.

Die Motive der molas sind keineswegs auf ein Set von traditionellen Mustern beschränkt, sondern werden ständig neu gestaltet und kreativ erweitert. Kuna-Frauen shaben seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts immer wieder Design-Elemente von Objekten aus der Industriegesellschaft in die Gestaltung der molas integriert, etwa von Ornamente von Elektrogeräten, Textilien oder internationale Labels und Logos.

Die Motive beziehen sich auch oft auf soziale oder politische Ereignisse und verarbeiten Themen wie die Probleme der Kanalzone, der US- Militärintervention, aber auch Sportveranstaltungen oder Parteipolitik. Frauen produzieren und tragen manchmal molas mit den Kandidaten ihrer Wahl für ein politisches Amt.

Andere Motive sind "Warnschilder" vor besonderen Gefahren: etwa ein mola, das darstellt, wie ein Kind von einem Kaiman gefressen wurde. Es wurde von einer Frau getragen, um ihre Kinder auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Molas werden auf diese Weise zu einem Ausdrucks- und Kommunikationsmedium, das ein breites Spektrum von Inhalten vermittelt.

Molas wurden lange Zeit von den anderen Bevölkerungsgruppen in Panama wenig geschätzt und schon gar nicht getragen, sie galten als Element einer "rückständigen indianischen Kultur". Die Kleidung der Mittel - und Oberschicht der Städte orientierte sich ausschließlich an den gängigen Moden in den USA und Europa.

Erst durch das internationale Interesse an der Textilkunst der Kuna wurden molas auch von anderen Bevölkerungsgruppen rezipiert und entwickelten sich langsam zu einem nationalen Symbol Panamas. Besondere Bedeutung erlangte das Tragen von molas durch Nicht-Kuna während des Konflikts mit den USA. In den 90er Jahren bildeten molas einen Ausdruck des Protests gegen die Intervention der USA und brachten die nationale Identität des Landes zum Ausdruck.

(Tice 1995, 2002, Goodwin: http://www.ucc.uconn.edu/~ wwwwbma/mola.html, 2002)

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