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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 7 Kultur und Globalisierung
 up 7.3 Beispiel Kuna (Panama): Molas, Kultur und Globalisierung

7.3.3 Molas und Gender-Beziehungen

Mola-Produktion

Die Produktion von molas ist ein ausschließlich weiblicher Tätigkeitsbereich und ist in die soziale Ordnung und die geschlechtsspezifische Aufgabenteilung der Kuna eingebunden. In der Gesellschaft der Kuna besteht - wie in vielen anderen indianischen Gemeinschaften - eine klare Zuordnung verschiedener sozialer, symbolischer, spiritueller und ökonomischer Aufgaben zu Männern oder Frauen. Die beiden Geschlechter verfügen dabei über getrennte Handlungsfelder, die sich oft komplementär ergänzen.

Diese stehen in Zusammenhang mit einem Konzept von multifokaler Macht: Es gibt nicht eine zentrale Machtinstanz in der Gemeinschaft, sondern verschiedene Machtfelder, in denen Männer und Frauen unterschiedliche Positionen einnehmen (vgl. Lenz und Luig 1990). Die Machtfelder von Männern und Frauen können dabei symmetrisch (ausgewogen) oder asymmetrisch (zugunsten eines Geschlechts) sein.

Bei den Kuna waren die Machtfelder der Gender-Beziehungen vor dem mola-Boom etwas asymmetrisch zugunsten der Männer. Die soziale Organisation der Kuna beruht auf matrilokalen Haushalten, d.h. ein junger Mann zieht nach der Heirat zu seinen Schwiegereltern, und muß in diesem Haushalt bestimmte Aufgaben erfüllen.

  • Männer nehmen in der Kuna-Gesellschaft alle formalen Führungspositionen ein. Dazu zählen politische Funktionen wie jene des Dorfvorstehers oder die Teilnahme an überregionalen Ratsversammlungen, im ideellen und spirituellen Bereich ist Männern das Wissen über Mythen und Gesänge vorbehalten.
  • Frauen nehmen auch Einfluß auf politische Prozesse, aber auf informeller Ebene, weiters sind sie als Heilerinnen und Hebammen im medizinischen und spirituellen Bereich tätig. Generell kann gesagt werden, dass Männer vor allem jene Positionen einnehmen, die besondere Redegewandtheit und verbalen Ausdruck erfordern, während Frauen stärker Handlungs- und objektorientierte Aufgaben zukommen (Perrin 1997).

In dieser Gender-Ordnung liegt die Produktion von molas klarerweise in weiblichen Händen. Die große wirtschaftliche Bedeutung der molas in den vergangenen Jahrzehnten verstärkte auch den Einfluß der Frauen in den Kuna-Gemeinschaften.

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