Die Bedeutung der molas für die Kuna ist eng mit nationalen und transnationalen ökonomischen Prozessen verbunden. Die Wirtschaft der Kuna beruht auf Fischfang, Gartenbau und Sammeln und war bis ins 20. Jahrhundert in erster Linie auf die Subsistenz der lokalen Gemeinschaften ausgerichtet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert bildete die kommerzielle Nutzung der Kokospalmen einen wichtigen Faktor der Ökonomie der Region, in die auch die Kuna-Gemeinschaften eingebunden waren. Kokosnüsse waren wichtige Handelswaren, die u.a. von fahrenden Händler gegen industriell gefertigte Gebrauchgegenstände eingetauscht wurden.
Zwischen 1950 und 1960 wurde ca. 80% des Bestands an Kokospalmen in Panama durch eine Krankheit vernichtet. Dieses Ereignis bedeutete auch für die Kuna einen Einbruch in ihre Ökonomie. Den Verlusten wurde auf zwei Ebenen begegnet:
- Die Männer nahmen verstärkt Lohnarbeit in anderen Regionen des Landes an und es kam zu einer intensiven temporären Arbeitsmigration.
- Die Frauen blieben in den indianischen Gemeinschaften und versuchten die Subsistenz mit dem Verkauf verschiedener handwerklicher Produkte zu ergänzen, darunter auch selbstgefertigte, applizierte Blusen. Diese wurden zunächst vereinzelt von lokalen Kuna-Händlern in die Hauptstadt gebracht und dort an Souvenir-Läden verkauft.
Der beginnende Tourismus in Panama führte bald zu einer gesteigerten Nachfrage nach der Textilkunst der Kuna, die verstärkte Vermarktung prägte wiederum ihre Formen. So wurde bald klar, dass nicht ganze Kuna-Blusen gefragt waren, sondern nur die kleinen mit Applikationen verzierten Stoffstücke, die heute als molas bezeichnet werden.
Um 1970 entwickelte sich in den USA und Europa ein breites Interesse an Ethno-Kunst (ethnic art), an Kunst und Kunsthandwerk aus verschiedenen Weltregionen und Kulturen. Neben Touristen begannen nun auch Museen, Galerien, Mode-Designer und Einrichtungshäusermolas zu kaufen, wobei Nachfrage nach verschiedenen Stilen, Größen und Qualitäten bestand.
Die Herstellung der molas transformierte von jener eines Gebrauchsgegenstands, der u.a. auch vermarktet wird, zu einer reinen Warenproduktion für einen globalisierten Markt, die immer neuen Käuferwünschen gerecht werden will.
Die Produktion wurde teilweise auch in Zusammenarbeit mit internationalen NGO`s in neuen Formen organisiert. So entstanden z.B. Kooperativen mit gemeinsamen Geldanlagen, die teilweise den einzelnen Produzentinnen zugute kommen, aus denen aber auch gemeinschaftliche und gemeinnützige Projekte in den Dörfern finanziert werden.
Es kam auch zu einer stärkeren Spezialisierung unter den Produzentinnen, so erlangten besonders begabte mola-Künstlerinnen internationalen Ruhm und können für ihre molas entsprechend hohe Preise erzielen (Tice 1995, 2002). |