Die aktuell in Verwendung befindlichen Bekleidungsformen wurden nach Forschungen Max Uhles (1919:11) aus den Felldecken und Fellumhängen der frühen nomadisierenden Jäger entwickelt. Eine Zuordnung nach Geschlechtern ist bei diesen Keidungsstücken und Accesoires nicht möglich. Täschchen, spezielle Bänder zur Schädeldeformation und Fragmente von Tuniken für beide Geschlechter waren an der chilenischen Küste erstmals um 1000 vor 0 anzutreffen (Santoro und Ulloa 1985:35, 38).
Gegenwärtig weist die Kategorie "Bekleidung und Tracht" folgende grundlegende Unterscheidungskriterien auf:
- Geschlecht – Frauentextilien/ Männertextilien
- Anlass – Alltagstracht/ Festtracht
Die Frauentracht enthält viel mehr in traditioneller Technik hergestellte Teile als die Männertracht. Demnach sind Männer an die hispanisierten Teile der Gesellschaft in vestimentärer Hinsicht angepasster als die Frauen. Die Frauentracht ist lokal gebunden. Verreisen Frauen beispielsweise nach La Paz, so schlüpfen sie in jene in Bolivien allgegenwärtige Tracht der "cholitas". Frauen, die keine Zeit oder Lust zum Weben traditioneller Kleidungsstücke haben oder deren Tauschkapazitäten nicht zum Erwerb der notwendigen Materialien für deren Herstellung ausreichen, tragen ebenfalls diese Tracht der Frauen von La Paz.
In die Jahre gekommene Textilien der Festtracht werden als Alltagstracht verwendet.
Ein Vergleich der Kategorien geschlechtsgebundener Textilien zeigt, dass Männer viel weniger traditionell gefertigte Textilien am Körper tragen als Frauen. Im Zusammenhang damit kann die These formuliert werden, dass die Frauen als Produzentinnen einer Fülle an unterschiedlichen Geweben die Kontrolle über deren Produktion innehaben. Über diese erlangen sie einen direkten Zugang zu kosmologischen Traditionen. Textilien sind demnach ein Kommunikationsmittel. Sie sind Übermittler eines vestimentärer Codes und damit ein integrales Zeichen an sich (Eco 1977:60-63, 137-147, 170). |