Die indigenen Zeremonialtextilien verschwanden in vielen andinen Regionen im "textilen Untergrund" geheim durchgeführter Rituale und Zeremonien (Adelson and Tracht 1983:37). Der Fall des Dorfes Coroma erzählt nicht nur die Geschichte einer erfolgreich verteidigten Tradition. Er dokumentiert ebenso die aktuelle Rolle der von den Ahnen ererbten Webereien.
In den frühen 1980er Jahren boomten andine Textilien auf dem (US-amerikanisch dominierten) Kunstmarkt. Sammler und Händler - meist in Personalunion - begaben sich auf die Suche nach spektakulären Stücken. Auf dem Altiplano, in Coroma, arbeiteten einem Käuferteam die Dürre und ein korrumpierbarer Comunero in die Hände: Ein Grossteil der von den Ahnen ererbten Zeremonialtextilien der Dorfgemeinschaft verschwand.
Und: Er tauchte nach einiger Zeit wieder auf. In San Francisco sollten die Stücke an einer grossen Schau gezeigt werden. Der Anthropologe John Murra benachrichtigte Christina Bubba, eine engargierte Textilexpertin. Zusammen mit den Autoritäten Coromas gelang es ihr, einen Grossteil der Gewebe wieder in die Comunidad zurückzuholen. Die Aktion wurde mit dem Rollex Award ausgezeichnet (http://www.rolexawards.com/laureates/). |