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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 5 Kultur, Macht, Identität
 up 5.4 Eva Fischer: Andine Textilien als Ausdruck von Kultur und Weltbild: Webtraditionen in Upinhuaya
 up 5.4.1 Die textilen Traditionen der Andenregion

5.4.1.3 Koloniale Textilproduktion

Die europäischen Invasoren waren von den Fertigkeitender andinen TextilproduzentInnen zutiefst beeindruckt. Sie verglichen die altperuanischen Gewebe mit den Erzeugnissen der iberischen Halbinsel (Cobo 1956[II]:232, Martín 2001:79).

Bernabé Cobo (1956[II]:232) verweist auf deren Feinheit und sakrale Verwendung:

"...; sie sponnen (Zwirne) und webten sehr feine und zarte Kleidung aus Baumwolle und Vicuñahaar, mit außerordentlichen Verzierungen in unterschiedlichen leuchtenden Farben, mit welchen Idole bekleidet wurden, oder die sie als Opfergabe aber auch als Kleidung des Inka vorsahen." (Übersetzung: Eva Fischer)

Nach kurzer Zeit wurde allerdings das subversive Potential indigener Webereien klar. Der Grossteil textiler Darstellungen verwies direkt auf kosmologische Zusammenhänge und damit auf die politische Ordnung vor Ankunft der iberischen Invasoren, die inkaischen Theokratie.

In der Folge versuchte die koloniale Administration Darstellungen wie jene von Affen oder Papageien (Gisbert 1987) zu unterbinden. Die Verwendung bestimmter Textilien und mit diesen verbundene Praktiken wurden verboten. Dies betraf das Verbrennen von Textilien, aber auch Praxis der Schädeldeformation mittels solide gewebter Bänder.

Der Chronist Ludovico Bertonio berichtet darüber (ANB EC 1765[1674] Nr. 131: 96ª, 97; Bertonio 1984:II, 335):

"Dies betrifft auch einige Provinzen des Callao, in denen sie die Bänder bestimmter Mützen verwenden, welche am Kopf des Kindes von Geburt an befestigt sind und ihn mit bestimmten Binden zusammenpressen, damit er auf diese Art gerade werde."

Verschiedentlich wurde von den iberischen Administratoren mittels gezielter Verordnungen (link: Kleidung und Tracht) in die Bekleidungsformen der indigenen Bevölkerung eingegriffen. Nach den Rebellionen Ende des 18. Jahrhunderts, setzten sich die an iberischen Vorstellungen orientierten Bestimmungen durch. Mit deren Hilfe sollte ein Erscheinungsbild von bäuerlichen indigenen Untertanen und iberischer Elite konstruiert werden.

Die kolonialen Feudalherren versuchten die textilen Fertigkeiten für ihre Zwecke zu benützen. Im 17. und im 18. Jahrhundert entstanden Manufakturen, die sogenannten obrajes, in denen Teppiche und Decken im kolonialen Stil gewoben wurden (Money 1983, Niles 1992:60-65). In den Manufakturen der Jesuitenmissionen Tieflandes entstand eine spezielle Art von Poncho. Die Erkennungszeichen dieser balandran-Ponchos sind neben grosszügigen Massen und kostbaren Materialien barocke Arabesken als Schmuckelemente.

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