Der Begriff Synkretismus kommt aus der Religionswissenschaft und wird in erster Linie für religiöse bzw. spirituelle Konzepte und Praktiken verwendet. Der Begriff hat eine lange Geschichte und wurde immer wieder mit anderen Bedeutungen und Bewertungen versehen. Aus christlich theologischer Perspektive bezeichnete er oft im abwertenden Sinn eine „verwirrende Vermischung von Religionen".
Melville Herskovits verwendete den Begriff Synkretismus sowie jenen der Akkulturation zur Beschreibung der Kulturkontakte und der entsprechenden Veränderungen in Bezug auf afroamerikanische Religionen und Kulturen. Dabei spricht er den Akteuren wenig aktives Einwirken (agency) auf die Gestaltung solcher Prozesse zu, und wurde aus diesem Grund auch immer wieder kritisch hinterfragt.
In religiösen und wissenschaftlichen Diskursen steht Synkretismus oft im Gegensatz zu etwas „Reinem" und „Authentischen". Wie z.B. Stewart und Shaw zeigen, stellen jedoch grundsätzlich alle heute bestehenden Religionen Synthesen (also Synkretismen) aus verschiedenen, älteren religiösen Systemen dar. Das Konzept der Reinheit bzw. des „Anti-Synkretismus" steht meist in Zusammenhang mit bestimmten Machtansprüchen und Abgrenzungsstrategien, sowie mit Diskursen um nationale, religiöse und/oder ethnische Identität (Stewart und Shaw 1994).
Beispiele für Synkretismus gibt es in Lateinamerika in sehr vielen Bereichen von Religion und Ritual, u.a. in den Vorstellungen vom Apu Cristo (Anden), im Schamanismus sowie in den afroamerikanischen Religionen. |