Lateinamerika ist seit vielen Jahrhunderten Raum für vielfältige kulturelle Interaktionen. Dabei kam es im Lauf der Geschichte immer wieder zu Verschmelzung, zu Synkretismus, Hybridisierung und Parallelismus, aber auch zu Abgrenzung im Sinne eines Anti-Synkretismus, der die Differenz zwischen verschiedenen kulturellen oder religiösen Traditionen hervorhebt.
Darüber hinaus bestanden und bestehen verschiedene Projekte von Homogenisierung, die meist von größeren sozialen und politischen Gefügen, wie etwa Staat oder Kirche ausgehen. Das gilt in vieler Hinsicht schon für präkolumbische Kulturen, wurde aber durch die europäische Eroberung besonders brisant.
Darunter fällt das Projekt der Christianisierung ebenso wie das Konzept der mestizaje, dass eine kulturelle Vereinheitlichung innerhalb der Nationalstaaten anstrebt. Die einzelnen Aspekte der verschiedenen Interaktionen sind aufs engste mit der Ausübung von Herrschaft und mit der Konstruktion von Identität verbunden, die wiederum in spezifische historische Prozesse und Kontexte eingebettet sind.
In Lateinamerika besteht eine Vielfalt an unterschiedlichen Formen und Prozessen von kulturellen Verflechtungen und/oder Abgrenzungen und ihren historischen, sozialen und ideellen Kontexten. Besonderes zu beachten ist dabei die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit solcher Prozesse.
Dabei gibt es
- „...Verflechtungen verschiedenster Art und von verschiedenster Qualität,
- Verflechtungen, die in unterschiedlichste Richtungen verlaufen,
- Verflechtungen mittels der verschiedensten Medien,
- Verflechtungen von Menschen und ihren Handlungen, von Gütern, Ideen und Systemen,
- Verflechtungen, die mit unterschiedlichster Macht ausgestattet sind und
- Verflechtungen, die zur Erringung von Herrschaft und/oder Profit unterschiedlichster Gruppierungen dienen." (Hauser-Schäublin und Braukämper 2002:10).
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