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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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Frühe Ethnographen (1880 - 1940)

Ab dem 18. Jahrhundert unternahmen europäische Gelehrte Forschungsreisen nach Mittel- und Südamerika. Sie waren oft Pioniere ihrer Fachdisziplinen, die zu dieser Zeit an den europäischen Universitäten entstanden. Ihre Arbeiten reflektieren die Forschungsinteressen und Theoriengebäude ihrer Zeit. Zu den bekanntesten wissenschaftlichen Reisenden in Lateinamerika zählen Charles Darwin, Wilhelm von Humboldt und Charles Condamine.

Zu dieser Zeit entstanden auch große Sammlungen, die heute Aufschluss über die materielle Kultur indianischer Völker geben. Die ethnographischen Sammlungen entstanden oft in Zusammenhang mit naturkundlichen Forschungen. Ein gutes Beispiel für die Forschungs- und Sammlungstradition dieser Zeit bildet der Österreicher Johann Natterer, der mehrjährige Forschungsreisen in Brasilien durchführte. Objekte aus seinen Sammlungen sind im Wiener Museum für Völkerkunde zu sehen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden indianische Gemeinschaften häufig der Natur und weniger der Kultur zugerechnet. Diese Konzepte entsprechen den evolutionistischenTheorien dieser Zeit, und werden auch im Begriff „Naturvölker"(primitive societies) reflektiert.

Bakairi-Frauen

Die ersten spezifisch ethnologischen Forschungsexpeditionen begannen ca. 1880. Sie beschäftigten sich häufig mit archäelogischen Fragen, ferner war es ihr Anliegen - im Sinne der Theorien dieser Zeit - „Naturvölker“ zu erforschen.Es ging dabei in erster Linie um die Erschließung von unerforschten Territorien und eine grundlegende Dokumentation der indianischen Gemeinschaften und ihrer materiellen und geistigen Kultur. Einer der wichtigsten Vetreter dieses Forschungsstils war Karl von den Steinen, dessen abenteuerliche Expeditionen in das Xingú-Gebiet in Brasilien (ca.1880-1890) ein interessantes Stück Forschungsgeschichte der Ethnologie in Lateinamerika darstellen (vgl. Hermnannstäder 2003).

Neben der ethnographischen Dokumentation von Sprachen und Kulturen sowie dem Erstellen von Sammlungen für verschiedene Museen dienten diese Forschungsreisen auch oft dazu, bestimmte anthropologische Theorien jener Zeit zu untermauern bzw. zu überprüfen. Die einzelnen Forscher beschäftigten sich im Rahmen von langjährigen Feldaufenthalten mit vielen Faccetten indianischer Gesellschaften, u.a. auch mit ihrer Mythologie, und nahmen ein breites Spektrum von theoretischen Positionen ein.

Auf den folgenden Seiten werden exemplarisch drei Vertreter dieser Epoche behandelt, wobei wiederum nur ausgewählte Aspekte ihres Werks dargestellt werden.

 down 2.1 Theodor Koch-Grünberg
 down 2.2 Konrad Theodor Preuß
 down 2.3 Martin Gusinde
 down 2.4 Bibliographie
 down 2.5 Fragestellungen
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