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Kultur- und Sozialanthropologie Lateinamerikas
Eine Einführung
Univ. Doz. Dr. Elke Mader
Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie
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 up 4 Mensch, Natur, Weltbild
 up 4.2 Eva Fischer: Ökologie und Wirtschaftsformen der Anden. Das Beispiel der Dorfgemeinschaft Upinhuaya

4.2.8 Rituelle Aspekte

Die Kultivierung von Land ist eng mit Ritual und dem Sakralen verbunden. Die Erdoberfläche ist bereits durch die in ihr lokalisierbare weibliche spirituelle Kraft Pachamama Teil des sakralen Bereiches (Bastien 1978; Bouysse-Cassagne 1987:176,242; Duvoils 1986:514-517; Carter y Mamani 1982:21,41-55; van den Berg 1984, Urton 1981:39-54).

Jede neuerliche Benützung der kollektiv bewirtschafteten Aynokas nach der Brache wird mit dem Ritual La paga para la pachamama eingeleitet, das einen wichtigen Stellenwert im Weltbild der andinen Kulturen einnimmt. Damit wird die reziproke Beziehung zwischen dem spirituellem Wesen und den Menschen bestätigt und gefestigt. Gleichzeitig wird von Pachamama die Fruchtbarkeit der Felder erbeten.

Die Zeremonien sind fester Bestandteil des rituellen Jahreszyklus. Andere, wie das Regenrufen oder die Beschwichtigung Pachamamas werden spontan durchgeführt sobald besorgniserregende Unregelmäßigkeiten vorliegen. Diese können sich in zu langen Trockenperioden und Verspätungen der Regenzeiten äussern.

Ein mehrmals täglich praktiziertes Ritual während der Feldarbeit ist das Opfern von Kokablättern während des Kauens und nach den Mahlzeiten.

Erdaltäre

Der gesamte Berg, auf dem Upinhuaya und seine Nachbar-Dorfgemeinschaften liegen, seine brachliegenden und seine kultivierten Zonen, sind Teil eines sakralen Koordinatensystems. An dessen rituell-strategischen Punkten befinden sich Erdschreine, in welche regelmäßig Opfergaben gelegt werden (Bastien 1978:58,59). Upinhuayeños und ihre Nachbarn betrachten ihn als einen menschenähnlichen Körper. Die Seen der Hochebene bilden seine Augen und bestimmte Hügel die Brüste. Er hat Arme und Beine, Bauch und Herz. Jede der auf ihm lebenden Dorfgemeinschaften ist für die rituelle Pflege eines dieser Teile verantwortlich – das Dorf Upinhuaya beispielsweise für seinen linken Arm.

Upinhuayeños klassifizieren die Welt nach den Kategorien belebt/unbelebt und männlich/weiblich. Aufgrund eines seiner charakteristischen Merkmale –er verfügt über eine weibliche Brust- ist der belebte Berg-Körper ein weibliches Wesen, nämlich Pachamama selbst (Fischer 2002).

Von einer kleinen Hochebene über den Dorf wachen die petrifizierten Ahnen über das Wohl der Dorfgemeinschaft und über deren Felder. Die Berggipfel der näheren und weiteren Umgebung sind feste Punkte im sakralen Koordinatensystem der lokalen rituellen Geographie.

Heilige Stätten

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