Ein Hauptmerkmal lateinamerikanischer Ökonomien ist der hohe Anteil an weiblicher Arbeitskraft im landwirtschaftlichen Bereich. Die Produktion der direkten Subsistenz wird zum überwiegenden Teil durch die Arbeit der Frauen gesichert (Boserup 1982, von Werlhof 1983, Bennholdt-Thomsen 1981).
In Upinhuaya ist der Anteil weiblicher Arbeitskraft an der Kultivierung und Konservierung von Nahrungsmitteln besonders hoch. Dies geht Hand in Hand mit der wesentlich geringeren Beteiligung weiblicher Arbeitskraft am landwirtschaftlichen Produktionsprozess in den neuen Kolonien. Die geschlechtliche Arbeitsteilung ist mit der im Idealfall exklusiven Benützung von Arbeitsinstrumenten durch ein Geschlecht verbunden.
Durch die langen Absenzen der Männer wurden in Upinhuaya traditionell definierte Kategorien geschlechtlicher Arbeitsteilung aufgeweicht. Gegenwärtig besteht eine tiefe Spaltung von gesellschaftlicher Norm und gelebter Realität. Die Frauen müssen Männern zugeordnete Arbeiten für die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung übernehmen. Aus diesem Grund kann die Kategorie „exklusiv männlich“ unter „beide“ gereiht werden.
Die geschlechtliche Arbeitsteilung findet außerhalb der mit Feldbau verbundenen Tätigkeitsbereiche ihre Fortsetzung.
Die geschlechtliche Arbeitsteilung zeigt eine Korrelation mit Geschlecht, Altersgruppe und Aufenthaltsort. Über zwölfjährige Personen und ältere Männer bis vierzig Jahren setzen ihre Arbeitskraft grossteils für landwirtschaftliche Tätigkeiten in den Yungas ein. Verheiratete Frauen über zwanzig Jahren mit Kindern sowie ältere Frauen verweilen im Dorf. |