Logo
Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 32 Uruguay

32.1 Geschichte

Uruguay erhielt seine Unabhängigkeit 1828 und wurde damit zum Pufferstaat zwischen den großen Ländern Argentinien und Brasilien. Seine Grenzen mussten daraufhin mehrfach sowohl nach innen als auch nach außen verteidigt werden. Die politische Herrschaft über Uruguay wurde damals meist in Konfrontationen mit militärischen Mitteln entschieden, wobei die Gegner allesamt zur wirtschaftlichen Elite gehörten: einerseits die Colorados, die Vertreter der Handelsinteressen, und andererseits die Blancos, die die Interessen der Großgrundbesitzer verteidigten.

Ende des 19. Jahrhunderts einigten sich Colorados und Blancos aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Machtallianz. Seit damals öffneten sich die Parteien auch neuen sozialen Gruppen, die aufgrund wirtschaftlicher Expansion Uruguays entstanden waren: z.B. der Mittelschicht und der urbanen Unterschicht.

Während teile der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Angliederung an den Weltmarkt profitierte, zwangen zunehmende gesellschaftliche Probleme den Staat zu einer aktiveren Rolle. Unter José Battle y Ordónez, der von 1903 bis 1907 und von 1911 bis 1915 regierte, wurden weite Bereiche der Infrastruktur verstaatlicht. Eine Sozialgesetzgebung, die den Achtstundentag und Mindestlöhne aber auch ein Arbeitsunfallgesetz einführte, wurde erlassen. Parallel dazu wurde die politische Macht partiell von der Oberschicht auf die Mittelschichten verlagert. Die beiden traditionellen Parteien einigten sich dabei auf ein System, das die jeweilige Opposition an der Führung des Landes beteiligte. So kam es zu einem gewissen Interessensausgleich.

Jeglicher Wohlstand und der soziale Friede waren in hohem Maße von der Außenwirtschaft abhängig. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 zeigte das deutlich. Die Politik versuchte auf eine Politik der Importsubstitution umzuschalten. Das funktionierte eine Zeit lang. Doch mit zunehmender Krise der Wirtschaft verschärften sich auch die sozialen Auseinandersetzungen. Der Lebensstandard sank rapide. In den 60er Jahren ersetzte Gewalt den politischen Dialog. Auf der einen Seite kämpfte die Guerrilla gegen das politische Regime, auf der anderen Seite verteidigte die Regierung ihre Herrschaft mit Repression. Durch einen Putsch wurde die demokratische Regierung von Militärs abgelöst.

Unter Präsident Juan M. Bordaberry (1971-1976) verabschiedete sich die Demokratie von Uruguay. Die Macht wurde in einer „obersten Kommandeursjunta“ organisiert, Parteien wurden de facto ausgeschaltet, alle Behörden, sowie staatliche Betriebe und die Universität der militärischen Führung unterstellt. Das Parlament wurde durch einen militärischen Staatsrat ersetzt. Das eigentliche Machtorgan war der Nationale Sicherheitsrat (COSENA).

Anfang der 80er Jahre wurde über die Verabschiedung einer neuen Verfassung der Demokratisierungsprozess wieder eingeleitet. Das Militär behielt dennoch seine Machtposition. Der 1980 einem Referendum unterworfene Verfassungsentwurf wurde von der Bevölkerung abgelehnt. Der liberale Flügel der Militärherrschaft legte noch 1981 durch den neuen Präsidenten einen Redemokratisierungsplan vor. Bei den 1982 anberaumten Wahlen kam es zur Niederlage der regimenahen Parteien. Daraufhin wurden ein Jahr später Verhandlungen zwischen den Militärs und den Parteien aufgenommen. Diese Verhandlungen führten zum „Pakt des Club Naval“ und leiteten die Übergang zur Demokratie ein. Die Macht erhielten auch in den folgenden Wahlen wieder die Parteien der Blancos und der Colorados abwechselnd.

(Nohlen, Dieter: Uruguay. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 301-314)

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"