(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 571-572)
Die Verfassung, die unter sandinistischer Regierung im Jahr 1987 verabschiedet wurde, wurde im Jahr dahingehend 2000 verändert, dass die sogenannten „revolutionären“ Elemente herausgenommen wurden.
Das Einkammernparlament, die Asamblea Nacional, hat 93 Mitglieder, die alle fünf Jahre gewählt werden. Der Präsident, dessen Machtkompetenzen in der jüngsten Verfassungsänderung beschränkt wurden, wird nun ebenfalls alle fünf Jahre gewählt (statt bisher alle sechs Jahre) und kann nicht direkt wiedergewählt werden. Das Wahlrecht gilt in Nicaragua seit die Sandinisten an der Macht waren bereits ab 16 Jahren.
Die beiden wichtigsten Parlamentsparteien sind die Alianza Liberal, die wiederum aus mehreren Parteien, wie dem Partido Liberal Consitutcionalista/PLC besteht) und die Frente Sandinista de Liberación Nacional/FSLN.
Große Unterstützung erhielten die Sandinisten in ihrem Kampf von der Kirche, was sich speziell in der Figur des Priesters, Dichters und Ministers Ernesto Cardenal spiegelte.
Die nicaraguanische Gesellschaft setzt sich zum großen Teil aus Kleinbauern zusammen, die ohne den informellen Sektor nicht überleben könnten. Die Sandinisten sorgten für ein Gesundheitssystem, in dem die meisten Leistungen gratis waren; ein durchgehendes Bildungssystem unterstützte die Alphabetisierungskampagne. Die mittel- und Oberschicht hingegen gehörten während der sandinistischen Regierung zu den Verlierern. Obwohl es gerade die ärmeren Leute waren, die von den Sandinisten profitierten, waren sie es, die die Sandinisten abwählten, wobei hinzugefügt werden muss, dass das sandinistische Modell nicht einfach durch „Abwahl“ zustande kam, sondern im Zusammenhang mit dem erstarkten Einfluss der USA und dem daraus resultierenden Druck gesehen werden muss. Nicaragua wurde ein Lehrbeispiel dafür, dass ein Kleinstaat, noch dazu im sogenannten Vorhof der USA, kaum eine Möglichkeit besitzt, seine eigenen Interessen über jene einer interessierten Großmacht zu stellen. Die Sandinisten haben sich von dieser Art der Niederlage bis heute nicht erholt – zum Vorteil der konservativen Kräfte.
Aktuelle politische Situation:
Nach den Sandinisten kam UNO an die Macht, ein Wahlbündnis aus 14 Parteien des gesamten Spektrums. Nachdem es nahezu kein einziges Wahlversprechen, erst recht keines wirtschaftlicher Art zu erfüllen imstande war, wurde auch UNO bald wieder abgewählt. Die derzeit regierende PLC ist in zwei konkurrierende Flügel geteilt, was sich etwa dadurch zeigte, dass der ehemalige Präsident Arnoldo Alemán Lacayo als Kandidaten zur Präsidentschaftswahl seinen Lieblingskandidaten innerhalb der Partei nicht durchsetzen konnte. Enrique Bolaños Geyer nutzte nach der Wahl die günstige Gelegenheit, seinen Vorgänger unter dem Vorwurf der Korruption unter Druck zu setzen.
Eines der großen Probleme Nicaraguas ist die hohe Inflationsrate. Die schwierige wirtschaftliche Situation wurde durch mehrere Ernteausfälle und Naturkatastrophen verschlimmert bis hin zur Nahrungsmittelkrise. Es kam und kommt zwar Hilfe aus verschiedenen Ländern, doch Nicaragua ist – wie alle zentralamerikanischen Länder – längst aus der Medienberichterstattung Europas oder der USA verschwunden und damit in Vergessenheit geraten.
(Krumwiede, Heinrich-Wilhelm: Nicaragua. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 227-240)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |