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Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 25 Paraguay

25.1 Geschichte

Paraguay konnte sich 1811 aus der spanischen Kolonialherrschaft befreien. 1813 wurde die erste republikanische Verfassung verabschiedet. José Gaspar Rodríguez de Francia, der 1816 zum Diktator auf Lebenszeit ernannt wurde, errichtete in kurzer Zeit einen Militär- und Polizeistaat. Ein Großteil der kolonialen Führungsschicht wurde ermordet oder vertrieben. Der Staat kontrollierte den Außenhandel, enteignete den Besitz der Kirche, was in anderen lateinamerikanischen Staaten ein Tabu darstellte, und beschlagnahmte den Grundbesitz politischer Gegner.

De Francias Nachfolger Carlos Antonio López und sein Sohn Francisco Solana López setzten die autoritäre Regierung fort. 1865-1870 kam es zum Krieg zwischen Argentinien, Brasilien und Uruguay einerseits und Paraguay andererseits. Paraguay verlor im Zuge dessen etwa ein Viertel seines Territoriums und die Hälfte seiner Bevölkerung. 1870 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die liberale Tendenzen aufwies, doch gegen die in der Folge häufig verstoßen wurde. Nachdem staatliche Ländereien privatisiert wurden, konzentrierte sich der Landbesitz gegen Ende des 19. Jahrhunderts in wenigen Händen.

1887 wurden die bis heute dominierenden Parteien gegründet: die Liberale Partei und die Colorado-Partei. Die Colorados dominierten Paraguays Politik bis 1904, die Liberalen von diesem Zeitpunkt bis 1936. In jener Zeit konnte kaum eine Regierung ihre Amtszeit hindurch and er Macht bleiben.

Bis zur Jahrhundertwende dominierten Großgrundbesitzer und Militärführer die Geschicke der Politik, während die jeweilige Regierung schwach war. Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts intervenierte der Staat, unter liberaler Führung, wieder in der Wirtschaft. Doch das Versagen gegenüber den starken Expansionsbestrebungen Boliviens und politische Fehlentscheidungen beim Chaco-Krieg (1932-1935) führten zum Sturz der liberalen Regierung.

Nach einem Militärputsch übernahm 1936 eine nationalistische Koalition („Febreristen“) die Macht und leitete Reformen ein. Bereits 1937 folgte ein weiter Militärputsch. Die folgenden Jahre waren von politischer Instabilität gekennzeichnet. 1947 brach der letzte große Bürgerkrieg (gegen das Regime von General Morínigo) aus. Die Folge auf den Sieg der Regierung war ein Massenexodus der Verlierer. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung dürfte damals das Land verlassen haben.

Erst Alfredo Stroessner, der 1954 Präsident wurde, gelang die langfristige Übernahme der Herrschaft. Stroessner überstand über Jahrzehnte Verschwörungen, den Kampf der Guerilla und zivilen Widerstand, wobei er alle erdenklichen repressiven Mittel einsetzte. Mitte der 60er Jahre ließ er eine „domestizierte“ Opposition zu, die de facto keine war. Verfassungsreformen ermöglichten ihm fünfmal seine „Wiederwahl“, zuletzt 1988, ehe er im darauf folgenden jahr abgesetzt und des Landes verwiesen wurde..

(Ensignia, Jaime / Nolte, Detlef: Paraguay. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 253-263)

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