Nicaragua gehörte zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft zum Generalkapitanat von Guatemala. In den Jahren von 1822 bis 1833 bildete der heutige Staat Teil des zentralamerikanischen Staatenbundes. Bald darauf, 1838, folgte die Unabhängigkeit.
Das 19. Jahrhundert wurde von Kämpfen zwischen liberalen und konservativen Gruppierungen geprägt. Zur Jahrhundertwende gelangte José Santos Zelaya an die Macht. Unter seiner nahezu unumschränkten Herrscht wurde der Agrarsektor umstrukturiert und modernisiert und damit die Vorbedingungen für den Kaffee-Export als wichtigstem Wirtschaftszweig geschaffen. Betont werden muss dabei: all diese Reformen wurden lediglich zugunsten der Großgrundbesitzer durchgeführt.
Ab 1909 bildete Nicaragua den sogenannten Satelliten der USA, die das Land bis ins Jahr 1933 völlig kontrollierten. Augusto César Sandino führte einen sechsjährigen und schließlich erfolgreichen Kampf gegen die US-Marineinfanteristen. Die USA zogen daraufhin ihre Truppen ab und Wahlen wurden ausgeschrieben. Doch bereits Monate einige später (1934) ließ der Oberbefehlshaber der nicaraguanischen Nationalgarde, Anastasio Somoza, A. C. Sandino, der die neugewählte Regierung unter Sacasa anerkannt hatte, ermorden und stürzte die Regierung. Somoza legte damit den Grundstein für die Herrschaft des Somozo-Clans, der bis 1979 an der Macht blieb und ein rechtsautoritäres Regime errichtete. Künstliche Legitimation wurde aus stark manipulierten Wahlen gezogen.
1979 wurde das Somoza-Regime durch einen Volksaufstand unter Führung der „Sandinisten“, der Guerrilla FSLN (= Frente Sandinista de Liberación Nacional), gestürzt, der quer durch die Gesellschaft unterstützt wurde.
Diese Revolution war auf den letzten regierenden Spross der Somoza-Familie zurückzuführen, der mit seinen mafia-artigen Praktiken die inoffiziellen Spielregeln des Sippenregimes brach. Es ging so weit, dass sich der Clan kaum versteckt an internationalen Hilfsgeldern bereicherte und zuletzt auch mit der „Tradition“ brach, keine militärische Gewalt gegen Vertreter der Opposition einzusetzen, indem 1978 der Führer der bürgerlichen Opposition, Pedro Joaquín Chamorro auf Befehl Somozas hin erschossen wurde. Dieser Mord führte zu einem politischen Wendepunkt. Die Guerrilla erhielt breite Unterstützung aus weiten Teilen der Bevölkerung und wurde zur dominierenden Kraft der Opposition. Doch wieder mischten sich die USA in die Politik ein und schlugen einen international überwachten Plebiszit vor, den Somoza allerdings ablehnte.
Unter den Sandinisten wurde der Staat in seinen Strukturen wesentlich umgebaut und demokratisiert. Bildung und Gesundheitswesen wurden verbessert und zahlreiche Betriebe verstaatlicht.
Der US-Regierung unter Ronald Reagan waren die Sandinisten ein Dorn im Auge. Sie organisierte den Aufbau der sogenannten Contras, einer paramilitärischen Gruppe aus Exil-Nicaraguern, denen jedes Mittel zur Rückeroberung recht war.
In Lateinamerika hingegen wurden die Sandinisten unterstützt. 1983 begann die von Mexiko, Venezuela, Kolumbien und Panama gestartete Contadora-Initiative, die ein Arrangement zwischen Sandinisten und den USA zum Ziel hatte. 1987 traten auch Costa Rica, El Salvador, Honduras und Guatemala in diesen Prozess ein. Die sandinistische Regierung öffnete sich daraufhin und organisierte Neuwahlen, die zum Ende der sandinistischen Herrschaft führen sollte: An den 1990 durchgeführten Wahlen trat auch die Oppositionsgruppierung Nationale Oppositionseinheit (UNO) an und gewann u.a. aufgrund massiven Drucks der USA. Neue Staatspräsidentin wurde Violeta Barrios de Chamorro, deren Vater ein berühmter Politiker gewesen war.
(Krumwiede, Heinrich-Wilhelm: Nicaragua. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 227-239) |