Christoph Kolumbus „entdeckte“ Jamaika 1494. Die Folge war die rasche Dezimierung der indigenen Bevölkerung, was umso tragischer ist, als Spanien relativ bald wieder sein Interesse an der Insel verlor, zumal auf Jamaika keine Edelmetalle gefunden wurden. Schließlich eroberte England Jamaika 1655. Die neuen Kolonialherren importierten schwarzafrikanische Sklaven und machten aus Jamaika eine Zucker produzierende Plantagenkolonie, die erst im 19. Jahrhundert seine Bedeutung verlor. Die Sklaverei wurde in der Zeit zwischen 1833 und 1838 abgeschafft. Um die afrikanischen Arbeitskräfte zu ersetzen, wurden wie in anderen britischen Kolonien in Lateinamerika Vertragsarbeiter aus Indien geholt.
Die wirtschaftliche Elite nahm sich früh die Freiheit eines weitgehend unabhängigen politischen Systems innerhalb des Kolonialreichs. Nach Abschaffung der Sklaverei durften endlich auch Nicht-Weiße wählen und als Abgeordnete kandidieren, was bis dahin nur Großgrundbesitzern gestattet war. Nach Ende der blutig niedergeschlagenen Morant-Bay-Rebellion von 1865 verzichtete die weiße Pflanzeroligarchie zum eigenen Schutz auf die koloniale Selbstverwaltung. Jamaika wurde damit zur reinen Kronkolonie, in der ein britischer Gouverneur mit Hilfe eines Legislativsrats regierte. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu weiteren Unruhen. In der Folge bildeten sich Gewerkschaften und Parteien.
Erst 1944 wurde das allgemeine Wahlrecht durchgesetzt und 1959 schließlich die Selbstverwaltung erreicht. Großbritannien war bestrebt, seine karibischen Kolonien im Rahmen der sogenannten Westindischen Föderation schrittweise in die Unabhängigkeit zu entlassen. Allerdings stimmten die JamaikanerInnen 1961 mehrheitlich gegen die Föderation. So verließ Jamaika die Föderation und wurde 1962 unter Premierminister Alexander Bustamante unabhängig.
(Lennert, Gernot: Jamaika. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 181-187) |