(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 369-370)
Die Verfassung von 1982, die 13. des Landes, wurde 1999 zuletzt geändert.
Das Parlament, der Congreso Nacional, wird alle vier Jahre gewählt, wobei die Abgeordneten direkt in ihren Departments, von denen es 18 gibt, gewählt werden. Pro 35.000 EinwohnerInnen gibt es einen Abgeordneten, was bedeutet, dass die Zahl der Parlamentsmitglieder variabel ist. Derzeit sind es 128. Das Staatsoberhaupt wird ebenfalls alle vier Jahre gewählt, wobei dieser nicht wiedergewählt werden kann.
Das Wahlrecht erhalten HonduranerInnen mit 18 Jahren. Nach wie vor gibt es hohe Defizite in den Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bevölkerung, doch zumindest scheint die Zahl der großen Wahlmanipulationen vorbei zu sein.
Das politische Systems basiert in Honduras auf einem Zweiparteiensystem. Bei den Wahlen von 2001 konnte der Partido Nacional/PN fast 50% der Sitze erringen, knapp gefolgt von der ehemaligen Regierungspartei Partido Liberal/PL. Die anderen Parteien errangen wie eh und je nur einige wenige Mandate.
Wie in anderen zentralamerikanischen Staaten – außer Costa Rica – spielte und spielt das Militär die Rolle eines wichtigen Machtfaktors im politischen Geschehen des Landes.
Gewerkschaften hingegen sind im lateinamerikanischen Vergleich nahezu bedeutungslos; ebenso wie Guerrillabewegungen. Die Katholische Kirche übernahm es früh, im Sinne der Theologie der Befreiung die Stimme für die Massen zu erheben. Das Militär suchten diesen gewaltfreien Weg des Widerstands bald zu unterdrücken, was auch gelang und die Katholische Kirche marginalisierte. Die religionssuchende Bevölkerung wurde dadurch in die Arme von evangelischen Sekten gedrängt, was auch im Sinne der Regierung war.
Während des Bürgerkrieges im Nachbarland El Salvador wurde Honduras mehrfach in das Kriegsgeschehen involviert. Einerseits durch tausende Flüchtlinge und andererseits durch Versuche seitens El Salvadors, die Grenze zu verschieben.
Aktuelle politische Situation:
Honduras gehört nach wie vor zu den ärmeren Staaten Lateinamerikas. Eine Dürreperiode zu Beginn des Jahrtausends, gefolgt von einer Überschwemmungskatastrophe führte schließlich zu einer Hungersnot. Direkt in Zusammenhang damit könnte die Wahl des ehemaligen Zentralbankpräsidenten Maduro Joest zum Staatsoberhaupt stehen. Er hatte versprochen, sich dafür einzusetzen, dass Honduras im Rahmen des Entschuldungsprogramms für HIPC (= Heavenly Indebted Poor Countries) einen Schuldenerlass erreicht.
Innenpolitisch wurde Honduras in den letzen Jahren vor allem von der Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur bewegt. nachdem ein Richter im Jahr 2000 einige Verhaftungen von Militär- und Polizeiangehörigen anordnete, kam eine Welle von Verhaftungen und Gerichtsverfahren in Bewegung. Diese scheinen auch zu Tage zu fördern, was inoffiziell längst bekannt war, nämlich dass der CIA in die Morde von nahezu 200 Oppositionellen verwickelt sein dürfte, teilweise direkt, meist aber durch die Unterstützung der Todesschwadronen.
Während der Grenzkonflikt mit El Salvador gelöst ist, bleibt jener mit Nicaragua bis heute aufrecht und ist inzwischen beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag anhängig. Immerhin hat man sich 2001 darauf geeinigt, bis zu einem Urteil die Truppen nicht weiter aufzustocken.
(Dietrich, Wolfgang: Honduras. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 171-181)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |