Von Beginn der Kolonialzeit an nahm Honduras eine Randlage im spanisch besiedelten Zentralamerika ein. Die Loslösung von Spanien 1821, die darauf folgende Eingliederung ins Königreich Mexiko und die anschließende Mitgliedschaft im „Zentralamerikanischen Bund“ (1823-1838) änderten daran wenig. All diese Ereignisse wurden von einigen wenigen einheimischen Familien aus Emanzipationsbestrebungen vorangetrieben. Das Land blieb dabei stets von den wesentlich stärkeren Nachbarn Guatemala und Nicaragua abhängig, bzw. später vom Interessensgegensatz zwischen den zur Hegemonialmacht aufstrebenden USA und dem weltpolitisch an Bedeutung verlierenden England. Die Folge für Honduras war eine lange Periode politischer Instabilität.
Unter Marco Aurelio Soto (1876-1883) wurde erstmals eine liberale Verfassung erarbeitet (1880), die zur Trennung zwischen Staat und Kirche führte. Soto führte einige wesentliche Reformen durch, baute ein staatliches Erziehungssystem auf, ebenso das Post- und Telegraphenwesen, begann mit Straßenbauprojekten und einer Landreform. Sein Ziel war es, die besten Voraussetzungen zu schaffen, um ausländisches Kapital ins Land zu holen und die eigene Exportwirtschaft zu fördern. Dass er das durchsetzen konnte, lag daran, dass Honduras im Gegensatz zu seinen Nachbarländern aufgrund seiner geographischen Spezifika nicht über eine liberale Kaffee-Obligarchie verfügte, die den Anschluss an den Weltmarkt vorangetrieben hätte. Die Öffnung der Grenzen führte allerdings keineswegs zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation sondern zur Plünderung der inländischen Ressourcen durch ausländische, meist US-amerikanische Konzerne.
Wie in den anderen Ländern Zentralamerikas führte die Umstellung auf die monopolartige Produktion landwirtschaftlicher Exportgüter zum Kampf um Land, den die Kleinbauern verloren. Zudem entstand aus diesem Prozess heraus eine zunehmende Abhängigkeit vom Weltmarkt, gekoppelt mit einer gewissen „Überfremdung“ der heimischen Wirtschaft mit ausländischem Kapital. Es waren vor allem die nordamerikanischen Bananengesellschaften, die quasi Staaten im Staate bildeten. Sie erhielten die besten Böden, nutzten die billigen Arbeitskräfte für Gewinne, die sie dann wiederum ins Ausland transferierten. Die vermeintliche Modernisierung des Agrarsektors wirkte sich daher nicht positiv auf die übrigen Wirtschaftsbereiche aus.
Das Land wurde auch politisch in Atem gehalten, indem der Zwiespalt zwischen dem Leben auf den Haciendas einerseits und den Kleinbetrieben (Minifundien) der Subsistenzbauern andererseits und der diktatorischen Gewalt des Militärs ständig zunahm. Der Sozialbereich blieb währenddessen unbearbeitet. Die politische Liberalisierungsphase zwischen 1948 und 1963 bewirkte diesbezüglich ebenfalls wenig.
In den 60er Jahren gab es einen Modernisierungsschub mit dem Namen "Gemeinsamer Zentralamerikanischer Markt", der eine Stärkung des Industriesektors in ganz Zentralamerika bewirken sollte. Schließlich setzten die USA aber ein Freihandelskonzept durch, welches eine zentralamerika-intern abgestimmte Industrialisierung behinderte. Für Honduras bedeutete jenes Freihandelskonzept von Beginn an eine besondere Benachteiligung. Zwar kam es in den ersten Jahren zu hohen Wirtschaftswachstumsraten, doch führte die ungerechte Einkommens- und Besitzverteilung in Honduras zu einer deutlichen Verschärfung der sozialen Probleme. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten „Wachstumsverarmung“. Als ärmster Staat Zentralamerikas glitt Honduras wirtschaftlich immer weiter ab und litt insbesonders unter der Belastung durch zahlreiche Zuwanderer aus El Salvador, die den Arbeitsmarkt in Honduras zusätzlich belasteten und auch aus politischen Gründen in Richtung Honduras abwanderten. Die Binnenwanderung der Salvadorianer bewirkte immer wieder leichte Grenzverschiebungen. Die Frustration breiter Teile der Bevölkerung in Honduras entlud sich schließlich im Anschluss an ein Fußballspiel mit El Salvador. Es kam zum bewaffneten Konflikt zwischen den beiden Nationen, dem sogenannten "Fußballkrieg" (1969), der zwar nur wenige Tage dauerte, doch die Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher und politischer Ebene unmöglich machte. Honduras trat in der Folge aus dem zentralamerikanischen Integrationssystem aus.
Während sich die Militärregierungen der 60er und 70er Jahre ein annähernd modernisierend-liberales Image gaben (besonders unter General Oswaldo López Arellano) und einzelne Schritte in Richtung Landreform versuchten, beendeten die nachfolgenden Diktatoren jegliche liberale Politik. Sie schufen ein Überwachungssystem, das mit Gewalt durchgesetzt wurde und die zu eskalieren drohenden sozialen Konflikte eindämmen sollte.
(Dietrich, Wolfgang: Honduras. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 171-180) |