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Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 16 Guyana

16.2 Politisches System

Tabelle: Basisdaten Guyana

(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002)
Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 363-364)

Guyana wurde 1966 unabhängig. Vier Jahre später erklärte sich der Staat durch eine Verfassungsänderung zur ersten Kooperativen Republik der Welt; der gesamte Staat sollte auf sozialistischer Basis in Genossenschaften organisiert werden. Der gesamte Staat wurde dadurch zu einer Art „Projekt“.

Das Parlament Guyanas, die National Assembly, bestehend aus 65 Abgeordneten, wird nur teilweise direkt gewählt (53 Mitglieder). Der Rest wird als VertreterInnen der Regionen bzw. der Kommunen bestimmt. Das Staatsoberhaupt wird nicht direkt gewählt, sondern der Kandidat der stärksten Partei der Parlamentswahlen wird Präsident. Dieser Präsident besitzt selbst für Lateinamerika außergewöhnliche Machtbefugnisse. Parallel dazu trägt die Bevölkerung gewisse Mitbestimmungsrechte auf lokaler Ebene. Dazu dient der sogenannte Congress of Local Democratic Organs und der Supreme Congresse of the People. Wahlberechtigt sind in Guyana nicht nur alle GuyanerInnen ab 18 Jahren, sondern auch jene BürgerInnen aus Staaten des Commonwealth, die seit mindestens einem Jahr auf Guyana leben, sofern sie sich in das Wahlregister eintragen lassen.

Die politische Landschaft Guyanas wurde über viele Jahre seit der Unabhängigkeit im wesentlichen von einer Person geprägt: Forbes Burnham, der sowohl von 1964 bis 1980 Premierminister war, als auch von 1980 bis 1985 Staatspräsident. Er baute ein Einparteiensystem auf und unterdrückte jegliche Form von Opposition. Erst als sich die wirtschaftliche Situation in den 80er Jahren drastisch verschlechterte, formierte sich die Opposition in solcher Stärke, das sie nicht weiter negiert werden konnte. Burnham antwortete mit Hilfe des Militärs und der Polizei mit massiver Gewalt, die in der Ermordung des international bekannten Oppositionellen Walter Rodney gipfelte. Erst später hat es eine Abweichung vom Ziel des Sozialismus gegeben. Der damit verbundene Machtwechsel schränkte auch die Macht des PNC ein.

Die wichtigsten Parteien sind die People’s Progressive Party/PPP und CIVIC, die den derzeitigen Regierungschef stellt, und der People’s National Congress/PNC. Diese beiden Parteien vertreten die zwei großen Bevölkerungsblöcke: während die PPP für die indische Bevölkerung spricht, steht der PNC für die afro-amerikanische Bevölkerung des Landes. Zusätzlich gibt es eine ganze Menge kleinerer Parteien, die nur wenige Sitze im Parlament innehalten.

Aktuelle politische Situation:

Im Jahr 2002 gab es Straßenkämpfe bei Demonstrationen, als gegen die Diskriminierung der afrikanischen Minderheit durch die Regierung bzw. durch die indigene Bevölkerungsmehrheit protestiert wurde. Dieser Konflikt hat sich seit langer Zeit aufgestaut.

Der seit langem schwelende Grenzkonflikt zwischen Guyana und Surinam drohte Anfang des 21. Jahrtausends zu eskalieren und bleibt weiterhin ungelöst, nachdem es sich bei den umstrittenen Gebieten um Ölvorkommen im Küstengewässer handelt. Guyana trägt sich sogar mit dem Gedanken, zur Verteidigung seiner Ansprüche eine eigene Marine aufbauen.

(Klimmeck, Barbara: Guyana. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 153-162)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM)

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