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Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 15 Guatemala

15.1 Geschichte

Das heutige Guatemala stellte das Kerngebiet der Maya-Kultur in vorkolumbianischer Zeit dar. Guatemala spielte somit bereits vor der spanischen Eroberung eine strategisch bedeutende Rolle, die nach 1524, nachdem Pedro de Alvarado das Land erobert hatte, eine Zeit lang erhalten blieb. Mit der Unabhängigkeitserklärung von 1821 wurde Guatemala bis 1824 Teil des mexikanischen Reichs. Anschließend bildete es bis 1838 ein Hauptelement der zentralamerikanischen Föderation. 1839 bzw. 1847 wurde Guatemala eigenständige Republik.

Die politische Entwicklung im 19. Jahrhundert wurde von einem autoritär-konservativen System (Carrera/Cerna, 1839-1871), anschließend von einer liberalen Reformperiode unter J.R. Barrios und M. García Granados (1871-1885) geprägt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg das Interesse Europas und der USA an Guatemala und erste große Auslandsinvestitionen fanden statt. Dies bewirkte auch eine neue Landbesitzordnung und generelle Abhängigkeit, unter der vor allem die ärmere Bevölkerung bzw. die Landbevölkerung zu leiden hat(te).

Nach der liberalen Phase nahm der Einfluss des Militärs zu; die damit in Zusammenhang stehenden Regierungen wurden großteils autoritär geführt. Zu Machtwechseln kam es nicht auf demokratischem Wege sondern durch „Palastrevolten“ oder manipulierte Wahlen. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete die Diktatur unter Jorge Ubico (1931-1944), welche erst durch Studentenunruhen und einen Generalstreik während des Zweiten Weltkriegs gestürzt werden konnte. Im Zuge dieser Machtablöse kam es zur Erneuerung der Verfassung und endlich auch zu demokratischen Wahlen, die J. J. Arévalo gewann (1945-1951). Es war dies der Beginn einer Periode der sozialen Reformen, die zwar den Rückhalt der Mittel- und Unterschichten hatte, aber in zunehmendem Maße einen Konflikt mit den USA heraufbeschwor. Der wachsende Einfluss der Kommunistischen Partei und die Reformen im Hinterhof der USA ließen diese um ihren Einflussbereich bangen. Die Lage in Guatemala wurde von ihnen als erste Einwirkung des Ost-West-Konflikts auf die eigene Interessenslage in Lateinamerika gesehen. Die USA unterstützten daher die Umsturzpläne der Opposition: Eine Invasion von in Honduras exilierten guatemaltekischen Militärs unter Oberst C. Castillo Armas führte mit Hilfe der USA zum Sturz der Regierung Arbenz, dem Nachfolger Arévalos. Das anschließende Putschistenregime (1954-1957) organisierte eine konservative Restauration. Die Lage der Bevölkerung verschlechterte sich dramatisch und führte im Laufe der Jahre zum Bürgerkrieg. Bis heute hat die sozialrevolutionäre Dekade ihre Bedeutung für ideologische und parteipolitische Bewegungen gehalten. So hat es nach 1954 sowohl Versuche erneuter Demokratisierung und sozialer Reform als auch zahlreiche Putschversuche und militärische Revolten in Guatemala gegeben. Der Bürgerkrieg konnte auf diese Weise über Jahrzehnte schwelen und führte in den 80er Jahren zu einer der grausamsten Phase in der Geschichte des Landes, der sogenannten „Politik der verbrannten Erde“ kommen konnte, ehe es in den 90er Jahren endlich zu einem Friedensvertrag kam, der allerdings in wesentlichen Elementen bis heute nicht umgesetzt worden ist.

(Fanger, Ulrich: Guatemala. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 142-152)

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