(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 335-336)
Grenada ist seit 1974 eine parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations. Die britische Königin, die durch einen Generalgouverneur vertreten wird, hat demnach rein repräsentative bzw. symbolische Aufgaben. Die Verfassung von 1974 wurde in den letzten Jahren mehrfach überarbeitet und in den Jahren zwischen 1979 und 1984 durch ein sozialistisches Regime außer Kraft gesetzt. Damals begann die zeit der Instabilität für Grenada, die durch die US-Intervention im Jahre 1984 nicht beseitigt wurde, sondern zu langfristigen Spannungen geführt hat. Dennoch hat die Intervention einiges verändert, so verfügt Grenada seit jener Zeit über kein eigenes Militär mehr.
Die Verfassung, die seit Mitte der 80er Jahre wieder in Kraft ist, sieht das Parlament als Zweikammernsystem aufgebaut vor, bestehend aus einem Abgeordnetenhaus mit 15 und einem Senat mit 13 Mitgliedern. Letztere werden nicht gewählt, sondern vom Generalgouverneur ernannt. Die Regierungen Grenadas sind meist sehr klein, sodass die Minister gleich mehrere Ministerien führen. Die stärkste Partei im Repräsentantenhaus stellt den Premierminister.
Seit Mitte der 80er Jahre ist eine Vielzahl neuer Parteien entstanden. Stärkste Partei ist mit 8 Abgeordneten die New National Party/NNP, die erst auf Druck der USA hin nach der US-Intervention gegründet wurde. Der National Democratic Congress/NDC und die Grenada United Labour Party/GULP erreichten bei den Wahlen im Jahr 1999 keine Mandate mehr.
Aktuelle politische Situation:
Die Finanzlage des Staates ist langem prekär. Wie andere karibische Inseln ist Grenada von den Rückgängen in der Tourismusbranche, eine der wichtigsten Einkommensquellen der Insel, nach dem 11. September 2001 stark betroffen. Die Regierung versucht dem mit einem großen Investitionspaket entgegenzutreten. Zudem befindet sich Grenada seit 2001 auf jener Liste der Financial Action Task Force der OECD, die jene Länder aufzählt, die im Kampf gegen die Geldwäsche als unkooperativ bzw. als Steueroasen eingestuft werden.
Diese Statistiken sagen wenig über die Situation der Bevölkerung aus, die unter der ständig größer werdenden Schere zwischen arm und reich leidet. Vom Wirtschaftswachstum der späten 90er Jahre profitierten nicht sie, wohl aber bekamen sie die Folgen der Bananenrichtlinie der Europäischen Union zu spüren, da die Exporte in die EU damit zurückgegangen sind und dadurch Arbeitsplätze eingespart werden mussten.
(Sahr, Wolf-Dietrich: Grenada. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 138-142)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |