Die ostkaribische Insel Grenada wurde 1674 von Frankreich kolonisiert. Die Franzosen nutzten die Insel und deren Nebeninseln Carriacou und Petit Martinique für Tabak-, Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen, die sie von afrikanischen Sklaven bewirtschaften ließen. 1763 wurde die Insel britische Kolonie, woraufhin sie etwa 30 Jahre lang mehrfach „Besitzer“ wechselte. 1795 wurden die Inseln endgültig britisch und schließlich 1833 den englischen „Windward Islands“ angegliedert. 1877 erlangte Grenada Kronkolonie-Status.
In den 30er Jahren desselben Jahrhunderts erlangten die Sklaven die Freiheit und wurden ab Mitte des Jahrhunderts durch indische Kontraktarbeiter ausgewechselt, was für die AfrikanerInnen nicht nur positive Auswirkungen hatte: die soziale Situation verschlechterte sich ein weiteres Mal drastisch.
Im 20. Jahrhundert war ein Großteil der Bevölkerung als Kleinbauern und LandarbeiterInnen tätig, konnte sich davon aber kaum ernähren. Der politische Druck wuchs. 1951 wurde die Gewerkschaft „Grenada Manual and Mental Workers Union“ durch Eric Gairy gegründet, der später Regierungschef wurde (1967-1979). Im selben Jahr wurde das Wahlrecht eingeführt. 1967 wurde Grenada assoziierter Staat mit autonomer Selbstverwaltung und 1974 endlich unabhängig.
Ende der 70er Jahre spitzte sich die Lage Grenadas auf internationaler Ebene zu: 1979 übernahm eine sozialistisch orientierte Regierung unter Maurice Bishop die Macht und setzte die Verfassung außer Kraft, was zu heftigen Protesten im Ausland und schließlich zur Intervention der USA führte. Dieser Intervention (1983) ging ein Putsch durch den orthodox-leninistischen Flügel der Regierung voraus, dem Maurice Bishop zum Opfer fiel.
(Sahr, Wolf-Dietrich: Grenada. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 138-141) |