(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 295-296)
Ecuador, das zwischen 1809 und 1830 einen Teil Großkolumbiens bildete, ist seit 1978 eine Präsidialrepublik. Ein Jahr später trat nach einem Volksentscheid die neue Verfassung in Kraft. Es ist dies bereits die 18. Verfassung Ecuadors – und die erste des Landes, die das allgemeine Wahlrechte verankert hat. 1998 wurde sie weitgehend überarbeitet, wobei auch die Sitze im Parlament von 82 auf 121 erhöht wurden.
Das Staatsoberhaupt, respektive der Präsident, der wie in anderen lateinamerikanischen Staaten sehr weitreichende Kompetenzen besitzt, wird alle vier Jahre direkt gewählt.
Wie in den meisten lateinamerikanischen Staaten gilt das Wahlrecht ab 18 Jahren.
Das Parlament tagt insgesamt circa 60 Tage pro Jahr; die eigentliche Arbeit der Legislaturperiode geschieht in extra dafür eingerichteten Kommissionen.
Die Zahl der Parteien, die im Parlament vertreten sind, ist relativ hoch. Einige der Parlamentsparteien: Democracia Popular/DP, Partido Social Cristiano/PSC, Partido Roldosista Ecuatoriano (sic!)/PRE, Pachakutik-Neues Land.
Die sozialen Gegensätze, die in Ecuador immer mehr zunehmen, teilen die Gesellschaft in eine winzige Oberschicht, die nur etwa ein Prozent der Bevölkerung ausmacht, allerdings traditionell den Großteil des Landes besitzt. Ihre Macht teilen sie mit den nachkommen der Einwanderer aus den 20er Jahren. Besonders benachteiligt sind Frauen, die nach wie vor nur einen minimalen Teil dessen verdienen, was Männer für dieselbe Arbeit erhalten würden. Das mag auch damit in Zusammenhang stehen, dass Ecuador eines der ganz wenigen Länder Lateinamerikas ist, in dem Gewerkschaften eine faktisch sehr unbedeutende Rolle spielen. Ganz im Gegensatz zur Katholischen Kirche, die bis in die 60er Jahre die Konservativen unterstützte. Erst Ende der 60er Jahre brach das zumindest in den Städten auf. Die Protestantischen Kirchen waren geschickter und stellten sich deutlicher auf Seiten der ärmeren Schichten. Dass sie immer mehr Zulauf erhalten, hängt mit diesem politischen Engagement zusammen.
Über viel Jahre spielte auch das Militär eine wesentliche innenpolitische Rolle. So beliefen sich die Verteidigungsausgaben zeitweise auf bis zu 38%.
Aktuelle politische Situation:
Im Jahr 2000 wurde der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel zugelassen und die einheimische Währung Sucre, die bereits im Jahr 1884 eingeführt wurde, ungültig. Mit diesem Schritt sollte die Wirtschaftskrise, die Inflationsraten bis zu etwa 100% mit sich gebracht hatte, ein wenig eingedämmt werden.
2001 wurde mit Luis Maldonado Ruíz zum ersten Mal in der Republik Ecuador ein indigener Politiker zum Minister für ein Ressort ernannt, das nicht nur auf die Problematik der indigenen Rechte ausgerichtet ist: er wurde Sozialminister. Die Ernennung brachte dennoch nicht nur positive Reaktionen mit sich, da einige Gruppen hinter dieser Ernennung eine Strategie zur Spaltung der indigenen Bevölkerung zu erkennen glaubten. Tatsächlich liegt der Verdacht einer Vereinnahmung nahe, war Maldonado Ruíz doch eines der führenden Mitglieder de Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (CONAIE ).
Neben den Kämpfen um die Rechtslage der indigenen Bevölkerung, die nach wie vor von der politischen macht ausgeschlossen ist, sind es derzeit vor allem Finanzskandale und Korruptionsvorwürfe, in die auch hohe Beamte und PolitikerInnen verwickelt sind, und die Proteste von Ölarbeitern und UmweltaktivistInnen gegen das Vorgehen der Ölfirmen, das einerseits der Bevölkerung wenig Profit aus den Gewinnen ermöglicht und andererseits Naturschutzgebiete mit neuen Pipelines durchzieht.
(Bieber, León E.: Ecuador. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 112-124)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |