Die heutige Republik Ecuador entstand 1830 aus dem Zerfall des Großkolumbianischen Verbandes von Simón Bolivar. Anders als in den Nachbarstaaten gab es in Ecuador niemals eine revolutionäre Umwälzung. In der Wirtschaftsgeschichte Ecuadors werden vier Phasen unterschieden: Die erste erstreckte sich von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg und war vor allem durch den Kakaoexport bestimmt. Nach dem Niedergang der Kakaoproduktion ab etwa 1916 kam es zu einer Wirtschaftskrise, die bis in die 40er Jahre andauerte. Anfang der 50er Jahre setzte der Bananenboom als dritte Phase ein. Als 1972 erstmals Erdöl exportiert werden konnte, begann die vorerst letzte Phase.
Während der Ära des Kakaoexports schienen die sozialpolitischen Auseinandersetzungen auf die Oberschicht beschränkt. Als neue soziale Schichten entstanden und die Binnenwanderung zunahm, verschärften sich infolge der Wirtschaftskrise die Auseinandersetzungen in den 20er Jahren. Damals entstanden die meisten der heute noch bedeutenden linken Parteien. Ihre Bedeutung stieg rasch, sodass sowohl die Konservativen als auch die Liberalen die Zusammenarbeit mit diesen neuen politischen Akteuren suchen mussten.
(Bieber, León E.: Ecuador. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 112-123) |