Die Insel Hispaniola bildete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Ausgangspunkt für die spanische Eroberung Mittel- und Südamerikas. Doch noch im selben Jahrhundert verlor die Insel diese Bedeutung durch die Verlagerung der spanischen Interessenschwerpunkte nach Mexiko und Peru. Frankreich nutzte diese Chance, sodass Spanien nach der Entstehung einer französischen Kolonie im Westen der Insel 1697 das westliche Drittel und 1795 auch den Ostteil an Frankreich abtreten musste. Zwischen 1809 und 1821 war Dominica wieder der spanischen Kolonialverwaltung unterstellt. Von 1822-1844 wurde die Region durch das seit 1804 unabhängige Haiti annektiert – ein Ereignis, das die Beziehungen zwischen den beiden Ländern bis heute prägt, was vor allem die haitianischen Gastarbeiter zu spüren bekommen. 1844 fand die Gründung der ersten Dominikanischen Republik statt, doch noch prägten Machtkämpfe die politische Situation, was die USA zur Okkupation von 1916-1924 nutzte.
Rafael Trujillo veränderte unter seiner Diktatur (1930-1961) die Wirtschaftsstruktur des Landes nachhaltig. Unter anderem brachte er 60% der bis dahin von ausländischem Kapital bestimmten dominikanischen Zuckererzeugung unter seine Kontrolle. Nach seiner Ermordung im Jahr 1961 fielen sein Landbesitz und seine Unternehmen an den Staat. Es folgten wieder häufige Machtwechsel, die Ausdruck der Interessenkonflikte zwischen einzelnen Gruppierungen des Militärs, der Öffentlichkeit und den USA darstellten. Der aus den Wahlen 1962 hervorgegangene Präsident Juan Bosch von der sozialreformerischen Revolutionären Dominikanischen Partei wurde bereits kurze Zeit später durch einen Militärputsch gestürzt. 1965 forderte eine Gruppe von Militärs mit Unterstützung der Bevölkerung die Wiedereinsetzung der verfassungsmäßigen Regierung. Es folgte ein Bürgerkrieg, den die USA mit einer Invasion zugunsten der konservativen Kräfte beendeten.
Joaquín Balaguer, Führer der Reformistischen Partei (PR) und Präsident von 1966-1978, löste mit seinem Modernisierungsprogramm einen industriellen Wachstumsprozess aus. Dieser erfolgte allerdings zu Lasten der Lohnnehmer und der bäuerlichen Bevölkerung. Ökonomische Stagnation, Korruption und der Ausschluss wichtiger Bevölkerungsteile von jeglicher politischer Partizipation trugen nach einigen Jahren zu Balaguers Machtverlust bei. 1978 setzte sich die Revolutionäre Dominikanische Partei durch. Die folgende Regierungszeit Jorge Blancos (PRD) verschärfte die sozialen Unterschiede, sodass die nächsten Wahlen (1986, 1990 und 1994) wiederum der inzwischen greise und nahezu blinde Balaguer gewinnen konnte. Insgesamt führte Balaguer den Staat in sieben Legislaturperioden.
(Krippner-Stikklas, Sylvia: Dominikanische Republik. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 101-111) |